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Lancet Countdown: Gesundheitssysteme nicht für Klimawandel gerüstet

Schon jetzt sind die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels spürbar. Trotzdem werden Gegenmaßnahmen zu langsam umgesetzt. Auch, weil oft das Geld fehlt.
Eingang zu einer Notaufnahme eines Krankenhauses.

Viele Länder sind schlecht auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet. Zu diesem Schluss kam ein internationales Forscherteam im aktuellen »Countdown«-Bericht des Medizinfachblatts »The Lancet« zu Gesundheit und Klimawandel. Die Autorinnen und Autoren haben dazu aktuelle Studien ausgewertet und in einem umfassenden Lagebericht zusammengetragen.

Schon jetzt gefährden die Folgen des Klimawandels – wie Hitzewellen, Extremwetter oder die Verbreitung von Infektionskrankheiten – die Gesundheit der Weltbevölkerung. Trotzdem würden weltweit nur 0,3 Prozent aller finanziellen Mittel, die für die Anpassung an den Klimawandel gedacht sind, in die Gesundheitssysteme fließen, heißt es im »Lancet«-Countdown. Zwar habe etwa die Hälfte der befragten Regierungen aus 91 Ländern eine nationale Strategie zu Gesundheit und Klimawandel entwickelt. Allerdings hapere es oft an der Umsetzung. Mehr als zwei Drittel der Nationen würden die finanziellen Mittel teilweise oder ganz fehlen, um ihre Pläne umzusetzen; der Hälfte mangele es zudem am nötigen Personal. Das schließt der Bericht aus einer Umfrage der Weltgesundheitsorganisation WHO, deren Ergebnisse die UN-Organisation im Detail auf der Klimakonferenz Anfang November vorstellen wird. Der Vergleich mit der vorherigen WHO-Umfrage aus dem Jahr 2018 zeige auch: In den letzten drei Jahren hat sich kaum etwas an der Lage verändert.

Überdies würden die Staaten ihre geplanten Maßnahmen zur Anpassung der Gesundheitssysteme an den Klimawandel nur langsam durchführen, schreiben die Autorinnen und Autoren des »Lancet«-Berichts. Und dass obwohl die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels unverändert zunähmen – vor allem in Regionen, die besonders von Wassermangel, Hitzewellen, Ernährungsunsicherheit und Infektionskrankheiten betroffen sind. Deshalb sei es umso entscheidender, schnellstmöglich gegen den Klimawandel zu handeln: »Der Klimawandel ist da und wir sehen bereits jetzt seine schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit weltweit«, sagte Anthony Costello, der Kovorsitzende des »Lancet«-Countdown in einer Pressemitteilung.

Zum sechsten Mal veröffentlichte »The Lancet« seinen »Countdown on Health and Climate Change«. Forscherinnen und Forschern aus 43 akademischen Einrichtungen und UN-Organisationen waren beteiligt. Der Bericht zeigt die gesundheitlichen Konsequenzen des Klimawandels anhand von 44 Indikatoren auf: Darunter fallen unter anderem Gesundheit und Hitze, klimaabhängige Infektionskrankheiten, ökonomische Folgen sowie die mediale Berichterstattung über Gesundheit und Klimawandel.

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