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News: Fremdsprachenlernen hilft gegen Lese- und Rechtschreibschwäche

Die Lese-Rechtschreibschwäche - auch Legasthenie genannt - ist eine Störung, die im deutschen Sprachraum bei etwa 8-14 % der Schülerinnen und Schüler eine Rolle spielt und den gesamten sprachlichen und geistigen Entwicklungsprozeß nicht nur im frühen Schulalter beeinträchtigt. Doch vielleicht kann sich ausgerechnet das Erlernen einer Fremdsprache für die Betroffenen positiv auswirken.
Zoltán Samu führte im Rahmen seiner Dissertation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena einen Schulversuch am 2. Staatlichen Förderzentrum in Jena durch. 15 Kinder der Klassenstufen 2 bis 4, also im Alter von acht bis zwölf Jahren, erhielten sechs Monate Englischunterricht. Ermittelt werden sollte, ob sich der Erwerb einer Fremdsprache positiv auf die Beherrschung der Muttersprache auswirkt.

"Meine These war", so Zoltán Samu, "daß die im Vergleich zur Muttersprache langsamere, präzisierte Art der Darbietung gesprochener Sprache und ihre somit begünstigte Verarbeitung einen möglichen Trainingsfall für elementare Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse gesprochener Sprache sowie des Lesens und Schreibens darstellt. Wenn dies so ist, müßten sich das Wahrnehmen und Produzieren der gesprochenen und geschriebenen Fremdsprache auch auf die muttersprachlichen Fertigkeiten günstig auswirken".

Die Annahme erwies sich als richtig: Für die 15 untersuchten Kinder ergaben sich nach Ablauf eines Jahres gegenüber den 15 Schülern einer Kontrollgruppe deutliche Verbesserungen. "Das Training von Wahrnehmung und Verarbeitung der gesprochenen Sprache, des differenzierenden Hörens sowie der Automatisierung der Informationsverarbeitung haben zu günstigeren Resultaten in Teilbereichen der Zeichenidentifizierung, so z. B. der Wortdurchgliederung und der Worttrennschärfe, geführt", zeigt sich Samu begeistert. Seine Forschungsergebnisse zeigen, daß das Förderprogramm im verbal-akustischen Bereich der Fremdsprache mittelbar auf das Arbeitsgedächtnis eingewirkt haben muß. "Wahrscheinlich hat das Training vor allem auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit der sogenannten 'artikulatorischen Schleife', bei der es sich um ein sprachspezifisches Subspeichersystem des Arbeitsgedächtnisses handelt, eingewirkt", erläutert der ungarische Doktorand ein Detail.

"Auch wenn die Langzeitwirkung des Trainingserfolges noch nicht kontrolliert werden konnte, ist damit eine gut anwendbare Übungsmethode für die Entwicklung des Lese- und Schreibprozesses in der Muttersprache gegeben, die die Symptome der Lese-Rechtschreibschwäche günstig beeinflußt", stellt Prof. Meinhold, Sprachwissenschaftler an der Universität Jena, fest und hofft, daß die Trainingsmethode in Zukunft weite Verbreitung findet.

Allerdings verbesserten sich nicht alle Lese- und Schreibleistungen, schränkt Samu ein. Vielmehr waren es vorrangig diejenigen Teilleistungen, die auf die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben angewiesen sind. Dadurch wurde sowohl die Lesegeschwindigkeit erhöht als auch die Leistung in den Subbereichen "Vokal-Konsonanten-Fehler" des Lesetests deutlich verbessert.

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