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Raubfische: Gaben Weiße Haie dem Megalodon den Rest?

Megalodon lebt leider nur noch im Kino weiter. Doch warum der Hairiese ausstarb, ist unklar. Fossildatierungen deuten auf eine neue Ursache.
Fossiler Zahn des ausgestorbenen Riesenhais MegalodonLaden...

Nein, der Riesenhai Otodus megalodon – kurz Megalodon oder noch kürzer »Meg« – hat nicht irgendwo in der Tiefsee überlebt. So viel steht fest, denn dies war nicht das Habitat, in dem er vor Millionen Jahren vorkam. Warum Megalodon aber ausstarb, können sich Paläontologen bislang nicht genau erklären: Klimaveränderungen könnten eine Rolle gespielt haben. Sie sorgten dafür, dass seine bevorzugte Beute in Form von Zwergwalen und Robben in Küstennähe verschwand. An ihre Stelle traten die großen Bartenwale des offenen Meeres, die jedoch außerhalb seiner Reichweite schwammen. Deshalb soll vor 2,6 Millionen Jahren während eines Massenaussterbens sein Ende gekommen sein, dem auch andere Meerestiere zum Opfer fielen.

Womöglich wurde das Ende von Megalodon jedoch zeitlich falsch eingeordnet. Darauf weist eine Auswertung von Robert Boessenecker vom College of Charleston und Kollegen in »PeerJ« hin. Die Wissenschaftler datierten für ihre Studie zahlreiche der vorhandenen Überreste des Haigiganten neu und stellten fast, dass viele davon entweder als zu jung oder zeitlich zu ungenau eingeordnet worden waren. Diese Daten verglichen sie dann mit Fossilien aus Kalifornien und der Baja California, die besonders gut erhalten geblieben sind. Damit kamen sie für sich zu einem eindeutigen Schluss: Das bisherige Aussterbedatum von Megalodon ist falsch: Die Fische starben womöglich schon eine Million Jahre früher aus. Damit wären sie bereits vor 3,6 Millionen Jahren aus den Weltmeeren verschwunden.

Sollte sich das bestätigen, müssten auch die Ursachen für diesen Verlust überdacht werden – etwa der Mangel an potenzieller Beute. Boessenecker und Co bringen daher einen neuen »Schuldigen« ins Spiel: den vergleichsweise kleinen Weißen Hai (Carcharodon carcharias), der heute noch die Ozeane durchstreift. Im Gegensatz zum bis zu 20 Meter langen Megalodon erreicht er nur ein Drittel dieser Ausmaße, doch macht ihn das auch flexibler. Fossilien legen nahe, dass der Weiße Hai vor ungefähr sechs Millionen Jahren im Bereich des Pazifischen Ozeans entstand, sich dann vor vier Millionen Jahren weltweit ausbreitete und damit in Konkurrenz zu seinem gewaltigen Verwandten brachte. Weiße Haie sind relative Nahrungsopportunisten, die aktiv jagen, aber auch Aas nicht verschmähen. Da sie kleiner und wendiger sind, benötigen sie weniger Nahrung und können sich mit ebenfalls kleinerer Beute zufriedengeben. Als die Hauptnahrung der Megalodone knapp zu werden begann, waren die Weißen Haie im Vorteil und verschärften den Futtermangel der Verwandtschaft.

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