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Vögel: Alte Ägypter malten ausgestorbene Gans

Die lebensechte Abbildung der »Gänse von Meidum« begeistert Archäologen wie Ornithologen gleichermaßen. Eines der Tiere stellt wohl eine bislang unbekannte eigene Art dar.
Gänse von Meidum (links die unbekannte Art, rechts eine Rothalsgans)Laden...

Das Grabmal des altägyptischen Wesirs Nefermaat und seiner Frau wurde vor allem durch ein detailgetreues und farbenprächtiges Bild berühmt: die »Gänse von Meidum«. Es zeigt teils einmalig für Altägypten Saat- und Blässgänse sowie zwei Vögel, die bislang als Rothalsgänse (Branta ruficollis) beschrieben wurden. Der australische Wissenschaftler Anthony Romilio von der University of Queensland legt im »Journal of Archaeological Science: Reports« allerdings dar, dass es sich dabei um eine unbekannte und mittlerweile ausgestorbene Gänseart handeln könnte – sofern das Bild tatsächlich aus der damaligen Zeit stammt und nicht nachträglich angefertigt wurde, wie der italienische Ägyptologie Francesco Tiradritti 2015 erklärt hat.

Tiradritti begründete dies unter anderem damit, dass keine der drei ursprünglich genannten Gänsearten in Ägypten lebt oder dort überwintert. Als das Bild vor rund 4600 Jahren entstand, herrschten noch etwas feuchtere klimatische Bedingungen in der Region als heute; die damaligen Grasländern begannen zur Wüste auszutrocknen: Ziehende Gänse könnten zu der Zeit also zum Überwintern nach Ägypten gekommen sein. Während die Saat- und Blässgänse ebenso wie andere Tierarten jedoch relativ farb- und detailgetreu abgebildet wurden, unterscheidet sich die vermeintliche Rothalsgans deutlich von ihren heute lebenden Verwandten.

Rothalsgänse besitzen im Hals- und Brustbereich flächig rote Federn und zudem einen großen roten Fleck auf den Wangen (im Bild oben der Vogel rechts). Die dargestellte Art im Grabmal weist auf den Wangen hingegen einen schmalen roten Streifen und nur einen kleineren roten Fleck mit dunkleren Punkten auf der Brust auf, die sonst wie der Hals überwiegend weiß ist. Die Theorie, es könnte sich um eine unbekannte Unterart der Rothalsgänse handeln, verwirft Romilio deshalb auch: Zu deutlich unterschieden sich die beiden Vögel.

Anhand der so genannten Tobias-Kriterien, die zum Unterscheiden von Arten herangezogen werden, kommt er dagegen zum Schluss, dass hier eine unbekannte, aber ausgestorbene Art zu sehen ist: Sie lebte entweder dauerhaft in Ägypten oder besuchte die Region als Zugvogel. Bislang gibt es keine Knochenfunde aus Ägypten, die auf eine derartige Gans passen können. Allerdings wurde auf Kreta der Schädel einer Gans entdeckt, der jenem der Rothalsgänse zwar ähnelt, sich jedoch so weit unterscheidet, dass es eine eigene Art sein könnte. Diese lebte womöglich ebenso in Ägypten oder gelangte als Zugvögel oder auch Handelsware dorthin. Würde sich dies bestätigen, wäre es ein Beleg, dass das Bild sicher echt ist.

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