Direkt zum Inhalt

Lebenszufriedenheit: Ein guter Umgang mit Zeit hat viele Vorteile

Beim Zeitmanagement geht es um mehr als nur eine gute Job-Performance. Wer sich seine Zeit einteilt, ist mit seinem Leben rundum zufriedener.
Ein Kalender voller Termine für die Arbeit

Ein Tag hat 24 Stunden. Doch manche Menschen schaffen in dieser Zeit anscheinend mehr als andere. Sie haben drei Kinder und eine Karriere und bei alldem immer Zeit für ein entspanntes Schwätzchen. Wie machen die das? Haushalten manche Menschen besser mit ihrer Zeit? Und trägt das zu ihrem Glück bei?

Sieht so aus, so das Fazit einer kanadischen Forschungsgruppe, die sich der Frage angenommen hat. Brad Aeon und sein Team zählten mehr als 150 empirische Studien, die den Umgang mit Zeit in Beruf, Schule und Studium sowie in Zusammenhang mit Stress und Wohlbefinden untersucht haben. Die Versuchspersonen beurteilten ihr eigenes Zeitmanagement anhand von Fragebogen, die vor allem nach drei Aspekten fragten: wie gut sie vorausplanten, sich nicht ablenken ließen und den Zeitplan bei Bedarf anpassten. Beispiele:

  • Planen Sie morgens Ihren Tag?
  • Stehen Ihre wichtigen Termine alle in einem Kalender?
  • Setzen Sie sich selbst Deadlines für Ihre Arbeit?
  • Neigen Sie dazu, Dinge bis zur letzten Minute aufzuschieben?
  • Wenn Sie mit einer Sache angefangen haben, bleiben Sie dabei, bis Sie damit fertig sind?
  • Setzen Sie Prioritäten und halten sich daran?
  • Machen Sie genug aus Ihrer Zeit?

Ergebnis: Zeitmanagement und berufliche Leistung, vor allem gemessen am Urteil der Vorgesetzten, hingen »moderat« zusammen. Am stärksten war die Verbindung mit Kreativität, allerdings auf Basis einer einzigen Studie. Einen Zusammenhang beobachteten die Forschenden außerdem mit Schulnoten – nicht aber mit standardisierten Intelligenztests: »Wir fanden keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Zeitmanagement und kognitiven Fähigkeiten.« Das spreche dafür, dass nicht etwa die Intelligenz das Zeitmanagement bestimmt, sondern dass das Zeitmanagement zum Schulerfolg beiträgt: »Zeitmanagement kann Lernenden helfen, ihre Zeit so zu organisieren, dass sie das nötige Wissen erwerben, um in einer Prüfung gut abzuschneiden.«

Einen stärkeren Zusammenhang beobachtete das kanadische Team jedoch mit dem Wohlbefinden: Der Effekt von Zeitmanagement auf die Lebenszufriedenheit sei um mehr als 70 Prozent stärker als auf die Zufriedenheit im Beruf. »Das ist unerwartet, insofern als Zeitmanagement gemeinhin als Fertigkeit für die berufliche Entwicklung angesehen wird«, schreiben Aeon und seine Kolleginnen. Emotionale Erschöpfung, Stress und Depressionen waren entsprechend negativ mit Zeitmanagement assoziiert, aber nicht so stark: »Zeitmanagement könnte weniger dabei helfen, Stress zu mindern, als vielmehr das Wohlbefinden zu steigern.«

Außerdem ging das Zeitmanagement einher mit einem höheren Selbstwert und der Überzeugung, das eigene Schicksal selbst in der Hand zu haben. Beides könnte gutes Zeitmanagement fördern, aber auch eine Folge davon sein, schreiben die Autoren. Sie verpassen es leider, das mögliche Ursache-Wirkungs-Verhältnis auch in Hinblick auf das Wohlbefinden zu diskutieren.

Zeitmanagement ist kein Allheilmittel

Die nötigen Fertigkeiten schon früh zu lernen, könne das ganze Leben auf die Überholspur bringen, vermuten Aeon und seine Kolleginnen. Ein Training etwa könnte helfen, Stress zu reduzieren. Ein gutes Zeitmanagement sei aber kein Allheilmittel. Die abgedroschene Maxime »Dein Tag hat so viele Stunden wie der von Beyoncé« (oder einer anderen Person, deren Lebensleistung man bewundert) greife zu kurz: Nicht jeder verfüge über dieselben Voraussetzungen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte