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Scheiternde Selbstoptimierung: Häufig negative Erfahrungen beim Meditieren

Meditieren liegt im Trend: Es soll gelassener, aufmerksamer und konzentrierter machen. Dafür allein waren Meditationstechniken allerdings nie gedacht, warnen Psychologen.
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Insgesamt rund ein Viertel von regelmäßig Meditierenden berichten von wiederholt belastenden Stimmungen im Rahmen ihrer Übungen, berichten Psychologen nach einer Befragung von gut 1000 meditationserfahrenen Menschen. Solche »negativen« Erlebnisse dürften jedoch nicht pauschal als schädlich eingeordnet werden: Sie kommen der Auswertung zufolge je nach Geschlecht und Gemütszustand unterschiedlich häufig vor, vor allem abhängig von der Art der Meditationstechnik. Zudem stehen sie nicht notwendigerweise dem Ziel der Meditierenden entgegen, berichten Marco Schlosser vom University College London und seine Kollegen in »PLoS One«.

1232 Personen, die in den vorangegangenen zwei Monaten mindestens einmal pro Woche meditiert hatten, haben Fragebogen für die Studie ausgefüllt. Ein Viertel der Teilnehmer erklärte dabei auf Nachfrage, dass sie während oder kurz nach einer Übung auch »eindeutig unangenehme Erfahrungen« wie etwa Angstzustände machen würden. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Weibliche sowie nach Selbstauskunft religiöse Befragte erzählten etwa seltener von negativen Erfahrungen. Menschen, die ohnehin zur Rumination, also zu grüblerischen Gedankenspiralen neigen, erlebten negative Stimmungen dagegen auch als Meditierende häufiger. Vor allem die Art der Meditation beeinflusst die Stimmung deutlich, so die Forscher weiter: So würden etwa Praktizierende von bestimmten Zen- und Vipassana-Techniken häufiger negative Erlebnisse erwähnen. Weniger betroffen waren dagegen Praktizierende von Achtsamkeitstechniken wie MBSR (»mindfulness-based stress reduction«, achtsamkeitsbasiertes Stressbewältigungsprogramm) oder von Ansätzen, die sich auf die Kultivierung von Güte, (Selbst-)Freundlichkeit und Empathie richten.

Die Ergebnisse unterstreichen und differenzieren frühere Mahnungen, dass der aktuell wahrnehmbare Hype um Meditation auch schädliche Folgen haben könne: Es sei bedenklich, die Erwartung zu wecken, dass »Meditation« als Selbstoptimierungsprogramm in einem gesellschaftlichen Wettbewerb die Übenden einfach generell ruhiger und gelassener macht, so die Autoren. Vielmehr könne das Gegenteil eintreten, gerade bei aufmerksamkeitszentrierten Techniken, die mitunter Stress und Zweifel hervorholen. Dies liege jedoch zum Teil an der Kultur, Geschichte und Entwicklung solcher »destruktiven« oder »dekonstruierenden« Meditationstechniken wie etwa der Zen-Meditation mit Koans oder dem traditionellen Vipassana: Dabei soll man sich im Rahmen der Meditation etwa mit der Vergänglichkeit der Welt und des Selbst auseinandersetzen und sich konzentriert auch mit negativen Erfahrungen beschäftigen.

Daher verwundert es nicht, dass die Praktizierenden dieser Übungen von »negativen« Stimmungen berichten. Die Techniken kommen allerdings aus einem Umfeld, in dem eine ethisch-philosophische oder religiös-theoretische sowie professionelle Begleitung von erfahrenen Personen in der Praxis dem Übenden helfen sollen, seine Erlebnisse einzuordnen. Eine solche Unterstützung des Meditierenden dürfe nicht vernachlässigt werden, warnen die Autoren der Studie – und nicht jede Art der Meditation eigne sich jederzeit für alle Interessierten.

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