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Herzschlag: Bei Zuhörern schwankt der Puls im Gleichtakt

Menschen, die aufmerksam einer Geschichte lauschen, haben einen synchronen Herzschlag. Der Grund liegt wohl darin, dass die Handlung ihr Gehirn im gleichen Maß beansprucht.
Kinder hören einer Geschichte zu

Wenn zwei Menschen eine Geschichte vorgelesen bekommen, wird sich mit der Zeit ihr Puls synchronisieren. Das ergab eine Studie von Pauline Perez vom Paris Brain Institute und Jens Madsen vom City College of New York, die dazu im Fachblatt »Cell Reports« einen Aufsatz veröffentlichten.

Der Grund für den Gleichklang der Herzen vermuten sie in der Verarbeitungstätigkeit des Gehirns: Manche Abschnitte der Geschichte fordern es mehr, andere weniger. Entsprechend steigt oder fällt der Puls.

Das schließt das Team aus einer Reihe von Experimenten, mit denen es alternative Erklärungen ausschloss: Emotionen etwa spielen keine große Rolle. Das zeigte sich, als die Forschenden ihren Freiwilligen ein staubtrockenes Lehrvideo vorführten, auch hier trat nämlich der Gleichklang auf. Der Atmung – üblicherweise ein gewichtiger Einflussfaktor, was die Herzfrequenz angeht – kommt ebenso wenig eine zentrale Rolle bei der Synchronisierung zu: Die Versuchspersonen atmeten schlicht nicht im Gleichklang.

Wohl aber war es wichtig, dass die Zuhörer dem Gehörten ihre volle Aufmerksamkeit schenkten. Wurden sie von den Wissenschaftlern mit Denksportaufgaben abgelenkt, unterblieb die Synchronisierung. Im Umkehrschluss galt sogar: Je stärker der Puls einer Versuchsperson im Gleichtakt mit den anderen schwankte, desto besser konnte sie sich anschließend an Details der Geschichte erinnern.

Ein weiteres Experiment mit Menschen, die an einer Bewusstseinsstörung leiden, bestätigte den Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit. Unter den Teilnehmern dieses Experiments waren Komapatienten, von denen einige später zumindest teilweise ihr Bewusstsein zurückerlangten. Diese Personen hatten bereits bei den zurückliegenden Experimenten ein höheres Maß an Synchronizität aufgewiesen – mutmaßlich weil sie damals schon stärker bei Bewusstsein waren als die anderen. Perez und Madsen schlagen darum vor zu prüfen, ob sich die Synchronisierung der Herzfrequenz nicht als simpler Test eignet, um herauszufinden, ob und wie stark ein Patient oder eine Patientin bei Bewusstsein ist.

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