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Nordatlantik: Kälte machte frühen Isländern und Grönländern zu schaffen

William P. Patterson / University of Saskatchewan
Vor über 1.000 Jahren waren die klimatischen Umstände auf Island und Grönland noch recht angenehm. Die ersten Siedler aus Norwegen betrieben Landwirtschaft und Viehzucht – bis das Klima heftige Kapriolen schlug und das Auf und Ab der Temperaturen das Leben schwer machte. Davon zeugen die Schalen von Muscheln und Schnecken.

Das Team um William Patterson von der University of Saskatchewan hat die Verteilung der Sauerstoffisotope in Schalen und Gehäusen von bis zu 2.000 Jahre alten Weichtieren aus Sedimenten vor der Nordwestküste Islands untersucht. Da die Tiere je nach Wassertemperatur unterschiedliche Konzentrationen der O-18- und O-16-Isotope in ihre Kalkschalen einbauen, kann deren Verteilung als "Geothermometer" dienen und die Rekonstruktion des historischen Temperaturverlaufs ermöglichen.

Vor und zu Beginn der Besiedlung Islands (um 865) und Grönlands (um 985) verzeichneten die Forscher demnach ein gemäßigtes Klima, die den Entschluss, so weit nördlich Siedlungen aufzubauen, gefördert haben könnten. In den Jahren von 990 bis 1080 und von 1320 bis 1420 wurde es jedoch schlagartig kalt: Die Temperaturen fielen im Jahresmittel um bis zu 6 Grad Celsius.

Die Ergebnisse der Forscher decken sich mit Überlieferungen aus der "Landnámabók", der altisländischen Besiedlungschronik. Sie berichtet in den ersten Jahrhunderten der Besiedlung von zahlreichen Ernteausfällen und verheerenden Hungersnöten, so dass "die Männer Füchse und Raben aßen." Auch von vermehrtem Aufkommen von Schelfeis ist die Rede, welches den sicheren Schiffsverkehr zwischen Grönland und Island und der norwegischen Heimat unmöglich machte.

Während Island auch trotz harter Winter besiedelt blieb, gaben die "Grænlendingar" – wie die norwegischen Kolonisten auf Grönland genannt wurden – die Insel nach der zweiten, besonders harten Kältezeit im frühen 15. Jahrhundert auf.

Nicole Mai

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