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Kannenpflanzen: Der Tod lauert unter der Erde

Kannenpflanzen locken Insekten mit großen Trichtern in den Tod. Eine neu entdeckte Art hängt die Fallen aber nicht überirdisch aus. Sie hat es auf Bodentiere abgesehen.
Freigelegte Kannen der neu entdeckten Art

Durch einen glücklichen Zufall entdeckten Ľuboš Majeský von der Palacký-Universität im tschechischen Olmütz und sein Team eine besondere neue Art an Kannenpflanzen: Während ihrer Expedition in einem gebirgigen Teil der indonesischen Provinz Kalimantan auf Borneo stießen die Wissenschaftler auf eine Kannenpflanze, die sich komplett von ihren bislang bekannten Verwandten unterscheidet. Wie sie in »PhytoKeys« beschreiben, bildet die Nepenthes pudica genannte Art unterirdische Fangtrichter aus, mit denen sie im Boden lebende Insekten und andere Wirbellose erbeutet.

Das Team dachte erst, dass die voll ausgebildeten Kannen verschüttet worden waren, doch fanden sie weitere Exemplare der Pflanze, die ebenfalls keine oder nur deformierte Kannen an der Oberfläche aufwiesen. Als einer der Beteiligten dann Moos entfernte, um eine der Pflanzen besser fotografieren zu können, entdeckte er ein ganzes Bündel kompletter Kannen, die an einem kurzen, chlorophyllfreien Trieb mit reduzierten Blättern wuchsen. Danach prüfte die Gruppe weitere Exemplare, die alle unterirdische Triebe mit den Fallen aufwiesen: die Bestätigung, dass die Art es tatsächlich auf Bodenlebewesen abgesehen hat.

Die Biologen führen dies auf die besonderen Bedingungen im Lebensraum der Pflanzen zurück: Sie wachsen auf relativ trockenen Bergrücken in Höhen von 1100 bis 1300 Metern. Der Mangel an Feuchtigkeit könnte dafür gesorgt haben, dass die Art ihre Kannen im Boden ausbildet, wo die ökologischen Bedingungen stabiler sind. Vor allem die Bodenfeuchte könnte helfen, die Eigenschaften der Fallen zu stabilisieren.

Unterirdische Kannen | Wenn kein Hohlraum vorhanden ist, wachsen die Triebe direkt in den Boden wie hier, wo ein Bündel von Kannen aus dem Boden ausgegraben wurde.

Während die unterirdischen Blätter farblos bleiben, färben sich die Kannen in das typische Rot, wie es auch andere Spezies aufweisen. Sie bilden jedoch nicht für alle Bodenlebewesen eine tödliche Falle. In den Kannen fanden sich Mückenlarven und Würmer, darunter eine bislang ebenfalls unbekannte Art. Die Triebe mit den Kannen wachsen bevorzugt in Spalten zwischen Baumwurzeln oder andere Hohlräume. Fehlen diese, werden sie aber auch direkt in die Erde ausgesandt.

Die Region, in der die Art gefunden wurde, gilt bislang als kaum erforscht. Es könnte dort also noch mehr unbekannte Arten geben. Gleichzeitig hofft der an der Expedition beteiligte indonesische Wissenschaftler Wewin Tjiasmanto, dass die Entdeckung hilft, das Gebiet zu schützen.

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