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Klimakonferenz: Was bei COP26 bisher vereinbart wurde

Als »letzte Chance« für die Paris-Ziele gilt die 26. Klimakonferenz. Ob sie genutzt wurde, ist arg umstritten. Ein Überblick über Versprechen, Allianzen und Pakte.
Ein Mann geht bei der UN-Klimakonferenz COP26 vor einem Wandbild zum 1,5-Grad-Ziel vobei.

Das Ziel der 26. UN-Klimakonferenz war von Anfang an klar: Man wolle Maßnahmen beschließen, mit denen sich die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzen lässt – so wie einst schon in Paris festgelegt. In den vergangenen zwei Wochen gab es so manches Versprechen, manche Allianz und manchen Pakt auf der COP26. Von weniger Kohle, mehr Bäumen und weniger Methan war etwa die Rede.

Was also haben die rund 40 000 Delegierten aus etwa 200 Staaten Entscheidendes verkündet? Was wurde gar beschlossen? Und was ist davon zu halten? Ein Überblick:

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Regelwerk für die Pariser Klimaziele

Was will man erreichen? In Paris beschlossen die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention zwar zwei sehr ambitionierte Klimaziele, nicht aber die Details. So sind zum Beispiel die Zahlen der Länder untereinander bisher nicht vergleichbar, weil sie sich auf verschiedene Zeiträume beziehen.

Wer macht da mit? Bindend für alle Parteien der Klimarahmenkonvention – was indirekt eine Vielzahl von Industriesektoren beeinflusst. Ein Grund, warum das Regelwerk so umstritten ist.

Wie wahrscheinlich ist das? Als eines der wichtigsten Ziele der COP26 ist zu erwarten, dass die Staaten sich Mühe geben werden. Allerdings geht es um die besonders schwierigen Fragen wie Transparenz und Emissionshandel.

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Ausstieg aus der Kohle

Was will man erreichen? Es gilt, den Ausbau sauberer Energien voranzutreiben. Auch will man die schnelle Abschaltung von Kohlekraftwerken, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, beschleunigen. Und es heißt, man wolle nicht alle, sondern nur »ineffiziente« Subventionen für fossile Energieträger beenden.

Wer macht da mit? 190 Staaten sagten zu, aus der Kohle auszusteigen.

Was ist davon zu halten? Bei der Vereinbarung fehlen einige der größten Produzenten und Verbraucher: China, Indien, Australien und die USA. Und auch die an der Übereinkunft beteiligten Staaten schwächten ihre Zusagen nach der Veranstaltung prompt wieder ab.

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Der »Global Methane Pledge«

Was will man erreichen? Die Vereinbarung sieht vor, den Ausstoß von Methan bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Da Methan das zweitwichtigste und über kurze Zeitskalen extrem potente Treibhausgas ist, könnte die Umsetzung des Vorhabens die Erwärmung des Planeten um 0,2 Grad Celsius mindern.

Wer macht da mit? Insgesamt haben mehr als 100 Länder, die für 70 Prozent der Weltwirtschaft und fast die Hälfte der anthropogenen Methanemissionen sorgen, die Verpflichtungserklärung unterzeichnet. Deutschland ist mit dabei.

Was ist davon zu halten? Funktioniert es, könnte die Methan-Übereinkunft das bedeutendste Ergebnis von COP26 werden. Die Chancen stehen überraschend gut, da es sich bei den Emissionen in vielen Fällen um unbeabsichtigte Verluste handelt, zum Beispiel bei der Öl- und Gasindustrie oder in Industrieanlagen. Um die Emissionen zu senken, sind keine fundamentalen Änderungen nötig – lediglich Maßnahmen, die im Prinzip den Umweltschutzvorkehrungen ähneln, die in den vergangenen Jahrzehnten umgesetzt wurden.

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Emissionsfreier Transport

Was will man erreichen? Versprochen sind 100 Prozent emissionsfreie Autos und Kleinlaster, eine weitere Übereinkunft verspricht klimaneutralen Luftverkehr.

Wer macht da mit? 33 Staaten und 11 Hersteller unterzeichneten eine Vereinbarung, den Autoverkehr bis zum Jahr 2040 zu decarbonisieren. Die Luftfahrtindustrie verspricht, dieses Ziel bis 2050 zu erreichen.

Was ist davon zu halten? Bei der Vereinbarung, Autos und Kleinlaster emissionsfrei zu machen, fehlen neben Deutschland, China und den USA auch mehrere große Hersteller wie Daimler und Volkswagen. Das gibt Anlass zur Sorge, andere Unterzeichner könnten sich zurückziehen. Bei der klimafreundlichen Luftfahrt gab es gleich wieder Diskussionen, ob man mit ärmeren Ländern wirklich so streng sein könne; zusätzlich rechnet die Industrie mit dramatisch steigendem Passagieraufkommen, durch die das Ziel noch einmal schwerer zu erreichen sein dürfte. Bindend sind die Vereinbarungen ohnehin nicht.

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Klimaneutrale Schifffahrt

Was will man erreichen? Die beim COP26 unterzeichnete »Clydebank Declaration« zielt darauf ab, bestimmte Schifffahrtsrouten klimaneutral zu machen. Die sechs ersten bis Mitte des Jahrzehnts.

Wer macht da mit? Die Erklärung wurde von 22 Staaten unterzeichnet, darunter die USA und Deutschland.

Wie wahrscheinlich ist das? Um das Ziel zu erreichen, muss man eine ganze Reihe unterschiedlicher Akteure zusammenbringen, von Reedereien bis zu Hafenbetreibern. Außerdem ist das, was auf dem offenen Meer passiert, notorisch schwierig zu kontrollieren. Und: Wie groß der Effekt wirklich ist, hängt von der Route ab, die klimaneutral sein soll. Die Gefahr besteht, dass die Beteiligten sich bei der Umstellung auf wenig befahrene Stecken beschränken.

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Allianz zum Waldschutz

Was will man erreichen? Die Zerstörung von Wäldern und anderen wertvollen Ökosystemen sollen spätestens bis 2030 gestoppt sein.

Wer macht da mit? Mehr als 100 Staaten, die über mehr als 85 Prozent der weltweiten Waldfläche verfügen, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer.

Was ist davon zu halten? Nicht allzu viel, wie die Geschichte solcher Versprechen ebenso zeigt wie es Details des Abkommens tun. Ein vergleichbarer Deal, laut der die Waldzerstörung bis 2020 halbiert werden sollte, war bereits im Jahr 2014 unterzeichnet worden und hatte keinerlei Effekt. Und auch die neue Vereinbarung ist nicht bindend und enthält nicht mal eine Definition, was eigentlich Waldzerstörung genau bedeutet.

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China und USA – das neue Dream Team?

Was will man erreichen? China und die USA haben angekündigt, künftig in Klimafragen zusammenzuarbeiten. Zuvor hatten Spannungen zwischen den Staaten und die ostentative Abwesenheit des chinesischen Staatschefs von der Eröffnungszeremonie fürchten lassen, dass bedeutende Treibhausgas-Verursacher sich ihrer Verantwortung nicht stellen.

Wer macht da mit? Die USA und China, die gemeinsam fast 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantworten.

Was ist davon zu halten? Die Ankündigung kam überraschend und hat für Optimismus gesorgt. Bedenkt man, dass die Nationen zuletzt eher die Position vertraten, der andere möge doch bitte mit dem Klimaschutz beginnen, zeugt die neue Abmachung zumindest von medial wirksamen guten Willen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei aber um drei Seiten mit vielen unkonkreten Formulierungen.

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Das 100-Milliarden-Dollar Versprechen

Was will man erreichen? Es ist ein zwölf Jahre altes Versprechen. 100 Milliarden pro Jahr ab 2020 für Klimaprojekte – das hatten die Industriestaaten ärmeren Ländern zugesagt und nicht einmal im Ansatz gehalten. In diesem Jahr wurde bekräftigt, man wolle ganz bald ordentlich zahlen.

Wer macht da mit? Alle weiter entwickelten Staaten, die zu den »developed country Parties (Annex II Parties)« zählen. Die USA und Deutschland beispielsweise.

Was ist davon zu halten? Ohne finanzielle Zusagen kein wirksamer Klimaschutz, das steht fest. Glaubwürdig ist das Versprechen aber nicht. Die Vereinten Nationen waren schon 2020 zu dem Schluss gekommen, dass das 100-Milliarden-Dollar-Ziel »in allen realistischen Szenarien« nicht mehr zu schaffen ist. Ob es bis 2022 gelingt, wie zuletzt anvisiert, ist fraglich. Nicht nur das: Verglichen mit den Investitionen, die es insgesamt braucht, um den Klimawandel zu begrenzen, sind die 100 Milliarden ohnehin nur eine Kleinigkeit.

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GFANZ für private Finanzierung

Was will man erreichen? Die bereits im April 2021 gegründete Glasgow Finance Alliance for Net Zero (GFANZ) vereint Akteure der Finanzindustrie mit dem Ziel, privates Kapital für die Umstellung auf Technologien für Netto-null-Emissionen bereitzustellen.

Wer macht da mit? GFANZ ist eine Vereinigung mehrerer Gruppen, der jeweils unter anderem Banken, Investoren, Versicherungen und andere angehören.

Wie wahrscheinlich ist das? GFANZ vermeldete auf dem COP26 die unfassbare Summe von 130 Billionen Dollar als ihren Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel. Nur: Bei näherer Betrachtung ist das nicht ganz richtig. Das sind keineswegs zur Verfügung stehende Gelder, sondern bloß die Bilanzsummen der beteiligten Unternehmen. Was die Allianz konkret zu den Klimazielen beitragen wird, ist bisher ziemlich unklar. Es ist nicht so, dass sich da irgendwer zu irgendwas verpflichtet hätte.

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