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Wildtier-Mikrobiom

Kot-Transplantate können bedrohte Arten retten

Auch ihr Mikrobiom macht Koalas, Nashörner und andere Tiere speziell. Kann man über den Darm Eigenschaften von Tier zu Tier transplantieren?
Koala

Zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten zählen oft solche, die schon mit kleinen Veränderungen in ihrem Lebensraum schlecht klarkommen – und somit auch eines der inoffiziellen Wappentiere Australiens, der Koala. Denn wild lebende Exemplare von Phascolarctos cinereus werden seit vielen Jahren nicht nur durch Steppenbrände und Autounfälle seltener, sondern vor allem, weil die Eukalyptusblattfresser nicht die Nahrung finden, die ihnen schmeckt. Der Koala ist ein berüchtigt wählerischer Esser, der sich auf ganz bestimmte Eukalyptuspflanzen seiner Heimat spezialisiert. Schon ein Umzug ins Nachbarwäldchen bekommt den Tieren daher oft schlecht. Nach Gründen haben Wissenschaftler in Australien nun mit einer aufwändigen Kotprobenanalyse gesucht. Ihr Fazit: Das Darmmikrobiom ist so speziell wie die Tiere selbst. Wie gut, dass es von Tier zu Tier getauscht werden kann, berichtet »Nature News« nun von einem Fachmeeting von Mikrobiologen in den USA.

Die Koalaforscher um Ben Moore von der University of Western Australia hatten zuvor keine Mühen gescheut und Kotproben von 200 an 20 unterschiedlichen Standorten heimischen Koalas gesammelt. Dann untersuchten sie Pflanzenreste in den Proben, um mehr über die speziellen Vorlieben der einzelnen Tiere zu erfahren. Tatsächlich gibt es demnach wohl drei unterschiedliche Typen von Koalas: Manche essen nur die vergleichsweise nährstoffreichen Blätter des Rutenförmigen Eukalyptus Eucalyptus viminalis, andere ausschließlich die ernährungsphysiologisch weniger reichhaltigen Blätter der verwandten Art Eucalyptus obliqua. Nur ganz wenige Tiere essen die Blätter beider Bäume – und das auch dann, wenn beide Bäume im selben Wald direkt nebeneinanderstehen.

So sei es nicht verwunderlich, dass manche aus ihrem etwa durch Abholzung verwüsteten Lebensraum in intakte Eukalyptuswälder umgesiedelte Koalas dort rasch gestorben sind. Tieren in solchen Situationen könnte aber eine Stuhltransplantation helfen, schlagen die Forscher vor. In Experimenten übertrugen sie die Darmfauna von sechs Eucalyptus-obliqua-Liebhabern auf sechs Tiere, die zuvor nur Viminalis-Eukalypten angerührt hatten. Nach 18 Tagen ähnelten schließlich die Mikrobiome der Empfänger stark denen der Spendertiere. Zudem neigten einige der Koalas nun dazu, auch Eucalyptus-obliqua-Blätter zu testen – selbst wenn die Umgewöhnung nur sehr allmählich erfolgt, wie die Forscher konstatieren.

Ähnliche Versuche von Stuhltransplantationen an Wildtieren haben auf dem Darmbakterien-Expertentreffen zudem Forscher der University of Utah vorgestellt: Sie hatten das Mikrobiom von Wüstenratten in Laborratten transplantiert – wodurch die Empfänger nun über Wüstenrattenkeime verfügen, die Oxalsäure abbauen können. Ganz praktisch könnten Kottransplantationen zudem in Zoos gehaltenen Nashörnern helfen, wie nach Experimenten im Tierpark von San Diego schon 2012 deutlich wurde: Unterschiede in der Darmfauna sind mitverantwortlich dafür, ob bestimmte pflanzliche Hormone aus der Nahrung im Darm von weiblichen Tiere ausreichend effizient abgebaut werden. Ist dies nicht der Fall – wie bei manchen in Gefangenschaft gehaltenen Breitmaulnashörnern –, so können sich diese nicht mehr fortpflanzen. Bislang verhindert man dies nun durch eine bestimmte Diät aus Graspellets, in denen Pflanzenhormone fehlen. Womöglich, so die Experten, könne aber auch eine Stuhltransplantation mit robusteren, phytohormonabbauenden Nashornkeimen aus Freilandtierkot den Zooexemplaren helfen.

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