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Infektionskrankheit

Lepraerreger in Eichhörnchen entdeckt

Lepra galt in Europa als fast vollkommen ausgerottet. Eine neue Studie zeigt, dass das nicht stimmt: Die Krankheit schlummert seit Jahrhunderten in britischen Eichhörnchen.
Eichhörnchen können auch an Lepra erkranken.

Eichhörnchen können sich mit Leprakeimen anstecken, die auch Menschen krank machen. Gleich zwei mit der Infektionskrankheit verbundene Bakterienarten befallen die Nager. Das belegt ein internationales Forscherteam um Anna Meredith von der University of Edinburgh und Steward Cole von der ETH Lausanne jetzt mit Hilfe von DNA-Untersuchungen.

Frühere Studien hatten bereits einen bekannten Lepraauslöser, Mycobacterium lepromatosis, in amerikanischen Gürteltieren beobachtet. Die neue Untersuchung zeigt, dass dieser Keim auch in Eichhörnchen in Großbritannien vorkommt. Überraschenderweise fanden die Forscher auf der Insel Brownsea Island aber auch einen anderen Erreger in den Nagern: Mycobacterium leprae. Diesen hatte man zuvor nur in leprakranken Menschen nachgewiesen. DNA-Vergleiche der Forscher deuten sogar darauf hin, dass die in den Tieren gefundenen Bakterien direkt mit einem im Mittelalter verbreiteten Bakterienstamm verwandt sein könnten.

Für ihre Untersuchungen sammelten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren tote Eichhörnchen auf den Britischen Inseln. Insgesamt 110 Tiere konnten sie so auf Zeichen von Leprainfektionen untersuchen. An 13 Kadavern fanden sie Leprasymptome – unter anderem Hautläsionen, Schwellungen und kahle Stellen im Fell. Bei insgesamt 34 Tieren konnten sie Leprabakterien anhand von DNA-Spuren nachweisen. So litten alle 25 auf Brownsea Island gestorbenen Tiere an M.-leprae-Infektionen. Infizierte Tiere aus anderen Teilen der Britischen Inseln trugen dagegen M. lepromatosis in sich. Keines der Tiere hatte sich mit beiden Keimen angesteckt.

Die Forscher verglichen auch bakterielles Erbgut aus infizierten Eichhörnchen mit dem von menschlichen Leprakranken. Anhand kleiner Unterschiede im Erbmaterial schätzten sie ab, wie eng die Bakterien miteinander verwandt waren und wann ihr letzter gemeinsame Vorfahr lebte. So konnten sie nachweisen, dass M. leprae aus zwei mittelalterlichen Leichen den Keimen von Brownsea-Island-Eichhörnchen sehr ähnlich war – die Bakterien hatten sich wahrscheinlich erst vor ungefähr 1500 Jahren auseinanderentwickelt.

Ob sich Menschen und Eichhörnchen im Mittelalter gegenseitig mit Lepra angesteckt haben, lässt die Studie offen. Die Ähnlichkeit der untersuchten Bakterien deutet jedoch stark auf einen gemeinsamen Ursprung hin, meinen die Wissenschaftler. Eine direkte Ansteckungsgefahr durch die Nager sehen sie jedoch nicht: Krankheitsfälle in Europa sind sehr selten und treten normalerweise nur bei Personen auf, die sich in Risikoländern aufgehalten haben. Zu diesen zählen beispielsweise Indien und Brasilien, wo noch mehr als 150 000 Menschen pro Jahr an Lepra leiden.

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