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Muskelphysiologie: Milchsäure fördert Muskelerholung

Milchsäure, die lange als Auslöser von Muskelkater galt, hat keinen negativen, sondern vielmehr einen positiven Effekt auf beanspruchte Muskulatur: Sie fördert deren Erholung, haben dänische Wissenschaftler herausgefunden.

Milchsäure oder Laktat reichert sich in arbeitenden Muskeln an, wenn der Körper nicht mehr genügend Sauerstoff bereitstellen kann. Die Hypothese, dass diese Ansäuerung den schmerzhaften Muskelkater auslöst, gilt inzwischen als überholt. Vielmehr scheinen zahlreiche Mikroverletzungen die vorübergehenden Schmerzen zu verursachen.

Um zu untersuchen, welche Rolle die Milchsäure tatsächlich spielen könnte, hatte die Arbeitsgruppe von Frank Vincenzo de Paoli von der Universität Aarhus zunächst die Kontraktionsfähigkeit von Rattenmuskeln um 85 Prozent reduziert, indem sie die Fasern einer hohen Kalium-Konzentration aussetzten. Zusammen mit Natrium-Ionen sind Kalium-Ionen entscheidend an der Erregung von Muskelfasern beteiligt: Während Natrium hierbei in die Muskelzelle einströmt, verlassen Kalium-Ionen das Zellinnere. Muskelfasern können daher erst dann wieder erregt werden, wenn sich die Ionenkonzentrationen wieder ausgeglichen haben. Dies geschieht hauptsächlich durch eine Natrium-Kalium-Pumpe in der Zellmembran der Muskelzelle.

Anschließend setzten die Forscher die ermüdeten Muskeln einer Lösung mit Adrenalin, mit Milchsäure oder mit beiden Substanzen zugleich aus. Adrenalin oder Milchsäure jeweils allein verbesserte die Kontraktionsfähigkeit nur mäßig; bei der Kombinationslösung erholten sich die Muskeln jedoch wieder fast vollständig.

Bekannt war bereits, dass das Hormon Adrenalin die Natrium-Kalium-Pumpe anregt und damit zur Regeneration der Muskulatur beiträgt. Laktat scheint allerdings keinen Effekt auf die Ionenpumpe zu haben. Die Wissenschaftler vermuten vielmehr, dass die Milchsäure den pH-Wert in der Zelle senkt und damit die Erholung fördert. Beide Mechanismen scheinen demnach unabhängig voneinander zu wirken und zusammen den Muskel wieder zu regenerieren. (aj)

Journal of Physiology 10.1113/jphysiol.2007.129049 (2007), Abstract

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