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Hirnforschung: Mitgefühl kann gelernt werden

Tägliche meditative Versenkung kann gezielt und langfristig Mitgefühl und Empathie fördern. Diese Schlussfolgerung zogen Hirnforscher nach Gehirnscans an meditierenden buddhistischen Mönchen.

Richard Davidson von der Universität von Wisconsin und seine Kollegen hatten 16 tibetische Mönche und 16 Personen ohne längere Meditationspraxis mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRI) untersucht. Die Mönche praktizierten dabei eine traditionelle Übung zur Steigerung der mitfühlenden Teilnahme, die übrigen Kandidaten wurden gebeten, intensiv und mit besten Wünschen an eine ihnen nahe stehende Person zu denken. Nach einer Eingewöhnungsphase wurden den Kandidaten während des Tests in meditationsfreien und meditativen Phasen zusätzlich neutrale Geräusche vorgespielt sowie solche, die empathische Reaktion auslösen sollten, etwa das Wimmern eines Säuglings.

Die Auswertung der fMRI-Bilder zeigte, dass bei allen Kandidaten bei zunehmender meditativer Versenkung besonders die Aktivität der Insula im Gehirn anstieg. In diesem Hirnareal werden akustische Reize verarbeitet, zudem regelt es körperliche Reaktionen auf Emotionen – wie etwa den Anstieg von Blutdruck und Herzschlagfrequenz – und stimmt diese mit anderen Hirnbereichen ab.

Besonders in Reaktion auf mitleiderregende Laute waren die Hirnaktivitätsmuster bei den Mönchen ähnlich, aber deutlich ausgeprägter als bei den Laien. Die Meditationserfahrenen zeigten auch stärkere Aktivitäten in der temporo-parietalen Übergangszone vor allem der rechten Hirnhälfte. Dort vermuten Forscher den Verarbeitungsort empathischer Prozesse und der Wahrnehmung von Emotionen bei Sozialpartnern.

Emotionen wie Mitgefühl und liebevolle Teilnahme können demnach offenbar ebenso trainiert werden wie Sportarten oder das Spielen eines Instruments, schließen die Wissenschaftler. Bei Personen mit Meditationserfahrung änderten sich offenbar neuronale Verschaltungen in bestimmten Hirnarealen drastisch. Zwar sei dazu jahrelange Übung möglicherweise unumgänglich, wie die der Mönche mit jeweils mindestens zehntausend Stunden Meditationspraxis. Aber auch von kurzzeitigem Training könnten depressive oder anderweitig psychisch kranke Menschen ebenso profitieren wie Gesunde, glauben die Wissenschaftler. (jo)

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