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Massentest: Nur 5 Prozent mit Coronavirus-Antikörpern in Spanien

Eine Studie an über 60 000 Menschen in Spanien zeigt, dass nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Kontakt mit dem Virus hatte. Herdenimmunität sei durch natürliche Infektionen nicht realistisch, kommentieren Fachleute das Ergebnis.
Junge Frau schaut konzentriert auf ein mit roter Flüssigkeit gefülltes RöhrchenLaden...

In der spanischen Bevölkerung hat von 20 Personen nur etwa eine Antikörper gegen das Coronavirus. Das ist das Ergebnis einer Studie, die ein Team um Marina Pollán vom spanischen Nationalen Zentrum für Epidemiologie nun in »Lancet« veröffentlicht hat. Es untersuchte dazu etwa 61 000 Menschen im ganzen Land mit zwei Antikörpertests, einem Schnelltest und einer ausführlichen Laboruntersuchung. Bei sechs Prozent der Untersuchten war mindestens einer der beiden Tests positiv, bei 3,7 Prozent beide.

Die Untersuchung ist die bisher größte ihrer Art in Europa. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den stark betroffenen Großstädten und dem Rest des Landes. In Ersteren hatten etwa zehn Prozent der Bevölkerung einen positiven Antikörpertest, was ungefähr mit den Ergebnissen anderer stärker betroffener Ballungsräume übereinstimmt. Das Ergebnis deutet nach Ansicht des Teams darauf hin, dass selbst bei günstigen Annahmen die Zahl der bereits immunen Personen nicht ausreicht, um eine weitere Infektionswelle zu unterbinden.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Spanien gehört mit 250 000 Infizierten und 28 000 bestätigten Todesfällen zu den am schwersten betroffenen Ländern. Dennoch waren Antikörper gegen das Virus selbst in Regionen mit hohen Infektionszahlen nur bei einer kleinen Minderheit der Bevölkerung nachweisbar, in Cuenca zwischen Madrid und Valencia zum Beispiel bei knapp 14 Prozent. Bei Menschen, die erkrankt waren und einen positiven PCR-Nachweis hatten, waren die Tests zu 90 Prozent positiv, bei jenen, die lediglich zu Covid-19 passende Symptome hatten, ließen sich bloß in etwa 17 Prozent Antikörper nachweisen. 20 bis 40 Prozent der positiv auf Antikörper getesteten Personen hatten zuvor keinerlei Symptome gezeigt.

Die Studie gibt keine Auskunft darüber, welcher Anteil der getesteten Personen gegen das Coronavirus immun ist, weil die Arbeitsgruppe nicht auf neutralisierende Antikörper testete, die das Virus direkt unschädlich machen. Außerdem sind keine Aussagen über eine mögliche Immunität durch coronavirusspezifische T-Zellen möglich. Allerdings zeige das Ergebnis zusammen mit ähnlichen Studien aus Ländern mit weniger stringenten Maßnahmen, in denen ebenfalls weniger als zehn Prozent der Bevölkerung Antikörper hatten, dass eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus durch natürliche Infektionen nicht zu erreichen sei, schreiben Isabella Eckerle und Benjamin Meyer von den Universitätskliniken Genf in einem Kommentar für »Lancet«.

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