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Schmerzwahrnehmung: Placebo- und Noceboeffekt zeigen sich im Gehirn unterschiedlich

Der eine Effekt kann Beschwerden lindern, der andere welche herbeiführen. Auf neuronaler Ebene sind Placebo und Nocebo aber nicht einfach nur zwei Seiten einer Medaille.
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Er ist der dunkle Gegenspieler des Placeboeffekts: der Noceboeffekt. Während ersterer Schmerzen und andere Beschwerden allein durch die Kraft des Glaubens zu lindern vermag, führt der bloße Glauben bei letzterem nur zu größerem Leid. So kann bei Medikamenten etwa bereits die Erwartungshaltung, Nebenwirkungen zu entwickeln, dazu führen, dass tatsächlich welche auftreten.

Ob die beiden Effekte eine gemeinsame Ursache haben, war bislang unklar. Ein internationales Forschungsteam konnte nun zeigen, dass Placebo und Nocebo nicht einfach zwei Seiten derselben Medaille sind, sondern durch unterschiedliche neuronale Mechanismen entstehen.

Die Gruppe um Junjun Fun von der South China Normal University in Guanghzhou analysierte 52 Studien mit insgesamt 1178 Versuchspersonen. In allen Untersuchungen wurde einer der beiden Effekte experimentell hervorgerufen, während die Probanden im Hirnscanner lagen. Das Team berechnete, in welchen Hirnregionen während der Versuche über alle Studien hinweg die größte Aktivität auftrat. Die Ergebnisse verglich es anschließend mit einer Datenbank, die zehntausende Hirnscans umfasste, um herauszufinden, zu welchen Netzwerken die aktivierten Areale gehören.

Dabei zeigte sich, dass der Placeboeffekt das Belohnungsnetzwerk im Gehirn aktivierte. Beim Noceboeffekt regte sich hingegen vor allem das Aversionsnetzwerk, welches bei widrigen Ereignissen wie zum Beispiel Schmerzerfahrungen aktiv wird.

Placebo- und Noceboeffekt spielen auch in der Psychotherapie eine Rolle. Ob die beiden Phänomene hier über ähnliche Hirnschaltkreise wirken, lässt sich aus der Untersuchung allerdings nicht ableiten: Das Team um Junjun Fun hatte sich lediglich Studien angesehen, bei denen die körperliche Schmerzwahrnehmung manipuliert worden war. Sie schlagen deshalb vor, die neuropsychologischen Grundlagen der beiden Gegenspieler auch bei Menschen mit psychischen Erkrankungen zu untersuchen. So lässt sich in Zukunft womöglich die Therapie verbessern.

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