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Atmosphärenchemie: Rekord-Ozonloch über Antarktis

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Über dem Südpol geht in diesem Jahr so viel schützendes Ozon verloren wie nie zuvor seit Beginn der Messungen. Dies teilte die Europäische Weltraumorganisation (Esa) mit.

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Ozonloch 2006 | Das Ozonloch nahm im Jahr 2006 Rekordausmaße in Größe und Tiefe ein. Der Grund: sehr niedrige Temperaturen in der Stratosphäre über dem Südpol.
Ausgehend von der Größe des Ozonlochs als auch seiner Tiefe in der Ozonschicht ergibt sich für dieses Jahr ein Verlust um vierzig Millionen Tonnen Ozon. Das sind eine Million Tonnen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2000. Das Ozonloch ist der Esa zufolge derzeit mit 28 Millionen Quadratkilometern etwa so groß wie die USA und Russland zusammen und hat damit fast die Ausmaße des Rekordlochs vor sechs Jahren erreicht. Die Tiefe des Lochs in der Ozonschicht erreiche Werte aus dem Jahr 1998. Ein solch signifikanter Ozonverlust setze sehr tiefe Temperaturen in der Stratosphäre voraus, sagte der Esa-Experte Claus Zehner.

Der extreme Ozonverlust in diesem Jahr lässt sich demnach mit extrem niedrigen Temperaturen in der Stratosphäre erklären, die so tief wie seit 1979 nicht mehr liegen. Dadurch bilden sich polare stratosphärische Wolken, die Chlor – aus den FCKW – enthalten, das im antarktischen Frühling wiederum mit Hilfe des einsetzenden Sonnenlichts letztlich die Ozonmoleküle spaltet.

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Ozonloch 2006 | Je weniger Dobson-Einheiten, desto dünner ist die Ozonschicht: Dieses Jahr könnte der Ozongehalt der Atmosphäre wieder unter die 100-Dobson-Marke fallen. Dobson bemisst die Ozonkonzentration pro Volumeneinheit, sprich die "Dicke" der Ozonschicht.
Diese Ausdünnung der Ozonschicht über dem Südpol besteht dann bis November oder Dezember, bis sich der polare Vortex – ein quasistationäres Windsystem rund um die Antarktis – abschwächt und Ozon aus niedrigeren Breiten in die Region einströmen kann, das die Verluste ausgleicht. Während der letzten zehn Jahre dünnte die globale Ozonschicht jedoch insgesamt um drei Prozent aus, was das Risiko für Hautkrebs oder für marine Organismen auch außerhalb des unmittelbaren antarktischen Umfelds erhöht. Klimaforscher haben zwar kürzlich eine Erholung der Ozonschicht über dem Südpol festgestellt, die aber nur langsam und vor allem in niedrigeren Lagen der Atmosphäre abläuft. Sie gehen davon aus, dass das Ozonloch über der Antarktis nicht vor 2065 verschwinden wird.
05.10.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.10.2006

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