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Altern: Senioren ziehen mehr aus einer Psychotherapie

Menschen über 65 Jahren erleben in einer Psychotherapie häufiger eine Besserung ihrer Symptome als junge Menschen. Das gilt zumindest bei Depressionen und Angsterkrankungen.
Ein älteres Paar hält sich an den Händen

Ältere Erwachsene profitieren stärker von einer Psychotherapie als Menschen im Erwerbsalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus Großbritannien. Rob Saunders vom University College London analysierte zusammen mit Kollegen Daten des Nationalen Gesundheitsdienstes von insgesamt rund 100 000 Patienten, die zwischen 2008 und 2019 eine Psychotherapie wegen Depression oder Angststörungen erhalten hatten.

Menschen, die zum Zeitpunkt der Behandlung 65 Jahre oder älter waren, hatten demnach größere Er­folgs­aussichten darauf, durch die Therapie eine Besserung ihrer Symptome zu erreichen oder ganz zu genesen. Zudem brachen sie die Behandlung seltener vorzeitig ab. Dies widerspreche gängigen Vorurteilen, wonach Senioren schlechter auf eine Psychotherapie ansprechen, weil sie kognitiv weniger flexibel seien, so Saunders.

Tatsächlich erhalten Ältere seltener ein Therapieangebot: In seiner Studie waren nur vier Prozent der Probanden älter als 65 Jahre, dabei liegt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wesentlich höher. Der Zugang zu psychologischen Therapien für Senioren sollte erleichtert werden, fordern die Wissenschaftler.

Laut früheren Untersuchungen leidet rund jeder Vierte über 65 Jahren an einer psychischen Störung wie einer Depression oder Angsterkrankung. Diese wird häufig mit Psychopharmaka behandelt, obwohl viele Betroffene eine Psychotherapie vorziehen würden – die in jener Altersgruppe in der Regel auch besser verträglich ist.

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