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Gehirnentwicklung: Sind heutige Menschenaffen intelligenter als unsere Vorfahren?

Australopithecinen wie »Lucy« hatten das größere Gehirn. Aber waren sie deswegen schlauer als die heutigen Menschenaffen? Keineswegs, meinen Forscher nun.
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Ein großes Gehirn gilt bei Vergleichen im Tierreich oft als Indikator für mehr geistige Leistung. Demnach müssten die frühen Mitglieder unseres Stammbaums den heutigen Schimpansen und Gorillas überlegen gewesen sein: Deren Gehirne sind nämlich höchstens genauso groß, wenn nicht kleiner als die von Australopithecus. Möglicherweise würden die heutigen Menschenaffen in einem fiktiven IQ-Test jedoch besser abschneiden.

Das vermuten Wissenschaftler um Roger Seymour von der University of Adelaide in Australien und Kollegen. Wie sie zu dieser Einschätzung kommen, erläutern sie in einem Beitrag für das Biologiemagazin »Proceedings of the Royal Society B«.

Ein besseres Maß für die Gehirnleistung sei die Dichte, mit der Neurone über Synapsen miteinander verknüpft sind. Diese Synapsen würden auch die anteilsmäßig höchsten Anforderungen an die Energieversorgung stellen. Das menschliche Gehirn etwa würde 70 Prozent seiner Energie für die Aktivität der Synapsen aufwenden. Deshalb schlagen Seymour und sein Team vor, die Gehirne der Primatenarten anhand ihrer Blutversorgung zu vergleichen. Je leistungsfähiger ein Gehirn, desto mehr »Treibstoff« muss über das Blut zugeführt werden. Und die Blutversorgung, die sich an der Größe der Arterien ablesen lässt, sei bei einem Gorilla beispielsweise doppelt so hoch wie bei »Lucy« und ihren weiter entfernten Verwandten, darunter etwa Ardipithecus.

Insgesamt wirkt es so, als hätten die Mitglieder der Ahnenreihe des Homo sapiens in den vergangenen Millionen Jahren aus einer schlechteren Startposition stark aufholen müssen. Heute liegen wir bei einem Verhältnis von Gehirngröße zu Blutzufuhr, das dem der Menschenaffen entspricht – haben allerdings verglichen mit diesen ein konkurrenzlos großes Gehirn.

Nach derzeitigem Kenntnisstand haben Australopithecinen keine Werkzeuge angefertigt. Erst von ihren Nachkommen, den frühen Angehörigen der Gattung Homo, existieren Hinweise auf ein solches Verhalten, das höhere kognitive Leistungen erfordert.

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