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Von wegen Filterblase: Soziale Medien steigern Nachrichtenvielfalt

Soziale Medien lassen den Nachrichtenkonsum ihrer Nutzer verarmen? Im Gegenteil, sagen nun Medienwissenschaftler: Wer dort surft, kommt mit deutlich mehr Nachrichten in Kontakt.
Soziale Medien auf dem SmartphoneLaden...

Den sozialen Medien wird oft vorgeworfen, Nutzer in eine Filterblase einzuschließen: Facebook, Twitter oder auch Youtube würden dem User bevorzugt das zeigen, was dieser in der Vergangenheit gerne konsumiert habe. Die Konfrontation mit einer Vielfalt von Meinungen bleibe dadurch aus, und Ansichten würden sich verhärten.

Dieses oft gehörte Argument relativieren nun Kommunikationswissenschaftler um Michael Scharkow von der Universität Mainz. Laut ihrer Auswertung sorgen soziale Medien dafür, dass deren Nutzer häufiger Nachrichtenseiten besuchen und dabei auf mehr Nachrichtenquellen zurückgreifen.

»Egal ob ein Nutzer normalerweise viel oder wenig Onlinenachrichten konsumiert: An Tagen, an denen jemand mehr auf Facebook, Twitter oder Google unterwegs ist als sonst, bekommt er auch mehr Nachrichten und Nachrichten aus mehr Quellen zu sehen als sonst«, erläutert Sebastian Stier vom GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, in einer Pressemitteilung. Die Forscher haben für ihre im Fachmagazin »PNAS« publizierte Studie das Surfverhalten von mehr als 5000 Probanden aufgezeichnet und tageweise ausgewertet.

Dass Facebook und Co den Nachrichtenkonsum erhöhen, könnte schlicht daran liegen, dass manche Menschen diese Portale gezielt aufsuchen, um Leseempfehlungen zu bekommen. Aber selbst, wer seine E-Mails bei Portalen wie Web.de oder GMX abruft, nach Informationen googelt oder eben auf Facebook mit Freunden kommuniziert, werde auf Nachrichten aufmerksam gemacht. Dementsprechend hoch sei die Wahrscheinlichkeit, dass die ein oder andere davon gelesen werde, so die Forscher. In dieser Eigenschaft, ungeplant mit Nachrichten konfrontiert zu werden, sehen sie einen wesentlichen Unterschied zur klassischen Medienwelt.

Ob eine vielfältige Quellennutzung auch mit einer Vielfalt von Meinungen und Weltanschauungen einhergeht, haben die Wissenschaftler nicht gemessen. In Deutschland sei die Medienlandschaft weniger extrem entlang politischer Lager gespalten, darum lasse sich nicht verfolgen, ob die Nutzer auch auf Beiträge geleitet wurden, die sie eigentlich ablehnen. Grundsätzlich gelte aber der Zusammenhang: je mehr besuchte Seiten, desto vielfältiger die Aussagen, mit denen man konfrontiert werde.

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