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Saturn-Mission: Töne und Tektonisches aus dem Saturnsystem

Der Eismond Enceladus
Die Südpolarregion des eisbedeckten Saturnmondes Enceladus präsentiert eine geologisch sehr junge Oberfläche mit wenigen Einschlagkratern. Sie ist zudem nicht, wie die anderen Eismonde des Systems und große Regionen von Enceladus selbst, mit feinen Eispartikeln überzogen, sondern von überraschend großen Eisblöcken übersät. Dies wird aus nun ausgewerteten Aufnahmen der Cassini-Sonde deutlich, die vor gut einem Monat in einer Entfernung von nur 175 Kilometern an Enceladus vorbeigeflogen war.

Die Oberfläche des Eismondes Enceladus | Der größere Teil der Oberfläche des Eismondes Enceladus ist von lang zurückliegender geologischer Aktivität geprägt. Einschlagkrater sind meist an den Rändern abgetragen und von zahlreichen Verwerfungen durchzogen.
Deutlicher wird auf den neuen Aufnahmen auch, dass die jüngeren polnahen Regionen von den geologisch älteren Oberflächen des Mondes durch ein Y-förmiges tektonisches System von parallel verlaufenden Grat- und Talstrukturen abgegrenzt werden. Das System scheint sich dynamisch immer wieder neu zu formen. Die Wissenschaftler glauben, dass die Energie der geologischen Prozesse die Rotation des Mondes beeinflussen könnte. Zudem könnten sie eine Hitzequelle sein, die Oberflächensubstanzen auf Enceladus verdampft. Auf diese Weise vom Mond freigesetztes Material vermuten einige Forscher als Quelle für den äußeren, breiten und diffusen E-Ring des Saturn.

Soundtrack vom Saturnpol

Diagramm der Radiowellen von Saturn | Mit dem "Radio And Plasma Wave Science" (RPWS) nahm Cassini die kilometrische Radiation des Saturn auf. Diese Radiowellensignale entstehen an den Polarregionen von Saturn wie Erde. Um die Wellen hörbar zu machen, verschoben die beteiligten Wissenschaftler eine Aufnahme der Radiosignals 260fach tiefer in den akustischen Frequenzbereich des Menschen.
Neben der Eismond-Beobachtung setzte die Sonde zuletzt überdies ihr "Radio And Plasma Wave Science" (RPWS) Instrumentarium ein und schnitt von Saturn emittierte Radiowellen mit, die so genannte kilometrische Radiation. Diese "akustischen" Signale entstehen ganz ähnlich wie irdische Polarlichter, wenn Elektronen durch das elektrische Feld der Magnetosphäre eines Planeten beschleunigt werden. Die geladenen Teilchen bewegen sich dabei entlang den Magnetfeldlinien, insbesondere an den Polen, wo die Feldlinien vertikal und sehr dicht stehen. Bei Kollisionen der beschleunigten Teilchen mit oberen Atmosphärenschichten entstehen auf der Erde Aurora-Leuchterscheinungen. Zudem emittieren die Elektronen aus noch nicht völlig geklärten Gründen Radiowellen im Frequenzbereich zwischen 100 und 500 Kilohertz, die auf der Erde erstmals 1979 beschrieben und analysiert worden waren.

Cassini konnte ähnliche Radioemissionen des Saturns bereits im Jahr 2002 aus etwa 374 Millionen Kilometern Entfernung auffangen und nahm sie nun in hoher Qualität auf. Die Forscher bastelten aus einem kurzen Abschnitt eine repräsentative Audiosequenz. Um die Aufnahmen hörbar zu machen, verschoben die beteiligten Wissenschaftler dazu die Radiosignale 260-mal tiefer in den akustischen Frequenzbereich des Menschen.

Insgesamt fast 350 Stunden aufgezeichneter Daten belegten nach Auswertungen von einem Team der Universität von Iowa, dass die Radiosignale von Saturn in ihrer Frequenz ähnlich variabel wie die irdische kilometrische Radiation schwanken. Die wechselnden Frequenzen lassen sich vermutlich auf geladene Teilchen zurückführen, die an den Feldlinien des Saturnmagnetfeldes auf- und absteigen, spekulieren die Forscher. Insgesamt sind die Forscher "wirklich erstaunt" darüber, wie ähnlich sich irdische und saturnische kilometrische Radiation sind. Das beteiligte Wissenschaftlerteam wartet nun gespannt auf den Frühsommer 2008, in dem Cassini den polaren Herkunftsort der Radioemissionen von Saturn direkt durchfliegen könnte, um näheres zu dem noch unverstandenen Phänomen herauszufinden.

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