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USA und China: Weltmächte bekennen sich zur Zusammenarbeit beim Klimawandel

Überraschung bei der UN-Klimakonferenz und ein »Schritt in die richtige Richtung«: USA und China veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, in der sie verstärkte gemeinsame Anstrengungen vereinbaren.
Chinas Klimaunterhändler Xie Zhenhua am 1. November 2021 bei der COP26 in Glasgow

Die beiden größten Produzenten von Treibhausgasen, China und die USA, haben überraschend eine Kooperation im Kampf gegen die Erderwärmung angekündigt. Auf der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow veröffentlichten sie eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es, sie seien »weiterhin fest entschlossen, zusammen an der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu arbeiten«.

Die beiden Länder wollen dazu eine Arbeitsgruppe wiederaufleben lassen, die sich bei regelmäßigen Treffen auf »konkrete Maßnahmen« für den Klimaschutz in dieser Dekade konzentriert. Dabei soll es sowohl um die Kohlendioxidemissionen gehen als auch um den Methanausstoß.

Neue Zusagen für ihre Treibhausgasreduktionen machten die beiden Länder allerdings nicht. Die USA bekräftigten in der Erklärung erneut ihr Ziel, den Umstieg auf ausschließlich regenerativ erzeugten Strom bis 2035 erreichen zu wollen. China blieb indirekt bei seinen allgemein als enttäuschend bewerteten Zusagen, die Kohlenstoffneutralität erst ab dem Jahr 2060 vorsehen.

Vom 31. Oktober bis zum 12. November 2021 findet in Glasgow das 26. Treffen der Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention von Rio (Conference of the Parties, COP) statt. Verfolgen Sie unsere aktuelle Berichterstattung im Liveblog und lesen Sie mehr rund um Klimawandel und Klimaschutz auf unserer Themenseite.

Immerhin erkennt China in der Erklärung die herausragende Bedeutung der 2020er Jahre für den Klimaschutz an – eine möglichst schnelle Reduktion der Treibhausgase bis 2030 gilt als wichtig, um den weiteren Temperaturanstieg zu begrenzen. Bislang hatte China keinen Rückgang seines CO2-Ausstoßes in den kommenden Jahren in Aussicht gestellt. Nun ist die Rede davon, die kurzfristigen Anstrengungen zu beschleunigen.

USA und China sind gegenwärtig die beiden Hauptproduzenten von Kohlendioxid. China trägt zu 27 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen bei, während die USA einen Anteil von 11 Prozent haben.

Dass China laut der Erklärung nun auch einen konkreten Fahrplan zur Reduktion des Methanausstoßes erarbeiten will, gilt als positives Zeichen, da sich China dem »Methane Pledge« nicht angeschlossen hatte. Die Anfang voriger Woche auf Initiative von EU und USA in Glasgow ausgehandelte Vereinbarung sieht vor, den Ausstoß des hochwirksamen Treibhausgases bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Über 100 Staaten hatte ihre Teilnahme erklärt.

Die unerwartete Vereinbarung am Rande des UN-Klimagipfels geht auf intensive Gespräche zwischen den beiden Klimaunterhändlern Xie Zhenhua und John Kerry zurück. »Mit Xie Zhenhua habe ich zuerst im Februar gesprochen. Wir haben uns mehr als 40-mal getroffen«, erklärte Kerry am Mittwoch in Glasgow.

Abseits von der Klimapolitik gibt es zwischen den beiden Mächten derzeit erheblich Spannungen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres begrüßte die Erklärung der Großmächte als »Schritt in die richtige Richtung«. Der Klimabeauftragte der EU-Kommission Frans Timmermans sagte gegenüber Reuters, die Erklärung zeige, »dass die USA und China wissen, dass dieses Thema über andere Fragen hinausgeht. Und es hilft uns hier in COP26 sicherlich, eine Einigung zu erzielen.« Kurz vor seiner Abreise aus Glasgow am 1. November hatte US-Präsident Joe Biden seinen chinesischen Amtskollegen öffentlich gerügt. Es sei »ein schwerer Fehler« gewesen, dass der chinesische Staatschef Xi Jinping nicht an der Konferenz teilgenommen habe. Biden und Xi treffen am Freitag beim virtuellen Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) zusammen, der unter dem Vorsitz Neuseelands stattfindet.

Im britischen »Guardian« begrüßte Genevieve Maricle, US-Klimapolitik-Chefin beim WWF, die Einigung. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt »haben die Macht, enorme Finanzströme aus dem öffentlichen und privaten Sektor freizusetzen, die den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft beschleunigen«.

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