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Lebenslauf: Ich bin nicht mehr so, wie ich mal war

Menschen ändern sich nicht. Oder doch? Nicht in ihren Überzeugungen, wenn man ihnen glauben darf. Doch ausgerechnet in Sachen Intelligenz sehen sie Spielraum für Veränderungen.
Nachdenkliche Frau vor einer Scheibe, in der sich Häuser spiegeln
Rückblickend sagen die meisten Menschen, dass sie vor zehn Jahren anders waren als heute. (Symbolbild)

Was charakterisiert Menschen über einen längeren Zeitraum? Selbstauskünften zufolge zählen dazu nicht etwa das Aussehen oder die Persönlichkeit. Vielmehr erscheinen vor allem Überzeugungen stabil. Die Intelligenz dagegen halten wir für veränderbarer, als sie eigentlich ist. Das berichtet der britische Psychologe Adrian Furnham gemeinsam mit einer Kollegin aus den USA in der Fachzeitschrift »Acta Psychologica«.

Die beiden werteten Angaben von rund 500 Erwachsenen aus mehreren europäischen Ländern aus, davon fast alle berufstätig. Mehr als 85 Prozent von ihnen gaben an, sie hätten sich in den vergangenen zehn Jahren sehr verändert. Am wenigsten galt das für Überzeugungen: Nicht einmal jeder zweite Befragte fand, sich in dieser Hinsicht verändert zu haben. Mehr als 70 Prozent hingegen attestierten sich jeweils merkliche Veränderungen in Sachen Gewohnheiten, Aussehen, emotionale Intelligenz, Selbstvertrauen und Gesundheit. Einen allgemeinen Wandel der Persönlichkeit wollte immerhin mehr als jeder Zweite bei sich beobachtet haben.

Wer über eigene Veränderungen berichtete, urteilte tendenziell auch ähnlich über andere Erwachsene. Zum Vergleich sollten sie angeben, wie viel sich im Mittel die Körpergröße verändert, ein äußerst stabiles Merkmal. Wie erwartet sahen die Befragten hier die geringste Veränderung – allerdings nur wenig mehr bei religiösen Überzeugungen. An dritter und vierter Stelle folgten Pünktlichkeit und Rauchen, eine Gewohnheit, die viele Menschen aufgeben, sobald sie Kinder bekommen.

Am veränderlichsten wurden Gesundheit und Wohlstand beurteilt, und seitens der Persönlichkeit emotionale Instabilität und emotionale Intelligenz. Außerdem hielten die Befragten die allgemeine Intelligenz, eines der laut Forschung stabilsten psychischen Merkmale, für ungefähr so veränderlich wie Bildung und Hobbys. Ähnlich fragwürdig: dass die sexuelle Präferenz für Männer oder Frauen ihnen ähnlich veränderlich erschien wie das Körpergewicht.

Optimisten sehen am meisten Veränderungen

Je religiöser die Menschen waren, desto eher glaubten sie grundsätzlich an Veränderungen. Bildungsniveau und politische Einstellungen spielten dabei hingegen keine Rolle. Optimistische Personen mit starkem Selbstwertgefühl waren am meisten der Ansicht, dass sich Menschen ändern können.

Die wahren Veränderungen im Erwachsenenalter festzustellen, ist allerdings schwierig; es bräuchte dazu Daten aus Langzeiterhebungen über 50 Jahre, wie Furnham und seine Kollegin schreiben. Ihr Fazit: »Alle stimmen darin überein, dass es Beweise sowohl für Stabilität als auch für Veränderung gibt.« Die Unterschiede zwischen verschiedenen Persönlichkeiten seien über viele Jahrzehnte stabil, vor allem im mittleren Erwachsenenalter, zwischen 30 und 60 Jahren. In dieser Lebensphase steige am meisten die Gewissenhaftigkeit (zu der die vermeintlich höchst stabile Pünktlichkeit zählt) und ein wenig die emotionale Stabilität und Verträglichkeit. Raum für Veränderungen gibt es also durchaus – nur ist er je nach Merkmal unterschiedlich groß.

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