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Atmosphärenchemie: Verschärft Luftreinhaltung den Treibhauseffekt?

Die abnehmenden Konzentrationen von Aerosolen in der Atmosphäre auf Grund von Luftreinhaltungsmaßnahmen könnten die globale Erwärmung anheizen, berichten Meinrat Andreae vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und seine Kollegen. In einer Simulation der Forscher kletterten die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu zehn Grad Celsius – das ist mehr als die Prognosen des Intergovernmental Panel on Climate Change, die von 1,4 bis 5,8 Grad ausgehen.

Die Wissenschaftler hatten ein Modell entwickelt, das insbesondere die Rolle von Aerosolen im Klimageschehen berücksichtigt. Deren Wirkung ist vielfältig, so fördern sie beispielsweise die Wolkenbildung und reflektieren die Sonnenstrahlung. Letzteres führt zu einem abkühlenden Effekt, der jedoch schwer zu beziffern ist: Die Werte, um die sich die Einstrahlung verringern soll, schwanken zwischen 0 und 4,5 Watt pro Quadratmeter.

Aerosole und Erwärmung | Temperaturanstieg berechnet für den Zeitraum von 1850 bis 2100 (die gelbe Linie entspricht den früheren Schätzungen)
Andreae und seine Kollegen regulierten ihr Modell so, dass es die bislang beobachtete Erwärmung und den Kohlendioxidzuwachs von 1940 bis 2000 widerspiegelte. Nahmen sie nun für den Blick in die Zukunft einen dämpfenden Einfluss der Aerosole auf die Sonneneinstrahlung von 1,7 Watt pro Quadratmeter an, so führte dies zu einem Temperaturanstieg von mehr als zehn Grad bis zum Ende des Jahrhunderts, sollte die Luft entsprechend sauber werden. Gestanden sie den Partikeln keinen Effekt zu, kletterten die Temperaturen nur um 1,7 Grad.

Andere Klimaforscher bleiben jedoch vorsichtig. So gibt Theodore Anderson von der Universität von Washington in Seattle zu bedenken, dass das Modell bei sehr hohen Werten für den Aerosoleffekt zusammenbricht und unrealistisch hohe oder gar unendliche Temperaturwerte ausgibt. Auch Andreae und seine Kollegen räumen selbst ein, dass noch zahlreiche Unsicherheiten rund um die Simulation von Aerosolen im Klimageschehen bestehen. Eine Temperaturerhöhung von mehr als sechs Grad halten sie trotzdem für wahrscheinlich.

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