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Tierphysiologie: Vorlaut

Sie gelten als gelehrige Schwätzer, die alles nachplappern, was ihnen zu Ohren kommt. Dabei verwenden Papageien nicht nur ihren Kehlkopf, sondern - wie der Mensch - auch ihre Zunge.
<i>Myiopsitta monachus</i>
Ob sie wirklich sprechen können, sei dahingestellt. Aber an ihrer Fähigkeit, sich lautstark zu artikulieren, herrscht kein Zweifel. Außerdem sind sie mit einer ungewöhnlich hohen Auffassungsgabe gesegnet und plappern alles nach, was sie aufschnappen können. Papageien gelten als gelehrige Sprachschüler.

Die Geräuschquelle des Geplappers liegt – wie beim Menschen – in den Tiefen des Halses. Im Gegensatz zu Säugetieren verwenden die Vögel für ihre Lautäußerungen jedoch weniger den eigentlichen Kehlkopf, sondern die darunter liegende Syrinx. Hier, an der Verzweigungsstelle der beiden Bronchialäste, sitzen schwingungsfähige Membranen, die über ein kompliziertes Muskelsystem gesteuert werden können. Je nach Spannung dieser Membranen können die Vögel beim Atmen die unterschiedlichsten Laute erzeugen.

Ähnlich funktionieren auch die Stimmbänder unseres Kehlkopfes; die Feinarbeit bei der Artikulation der menschlichen Sprache führt jedoch bekanntermaßen unsere Zunge aus. Beim Gesang der Singvögel spielt die Zunge vermutlich keine Rolle, Papageien tragen allerdings ein äußerst muskulöses Organ in ihrem Schnabel. Setzen sie es auch beim Plappern ein?

Fünf Mönchssittiche (Myiopsitta monachus) – eingefangen in Florida, wo die ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere bereits als Plage gelten – sollten diese Frage für Gabriël Beckers und seinen Kollegen Brian Nelson und Roderick Suthers von der Indiana-Universität beantworten. Für ihre Experimente bauten die Forscher in den Hals der toten Tiere kleine Lautsprecher ein, die Töne im Frequenzbereich von 500 bis 11 000 Hertz erzeugten. Über Mikromanipulatoren positionierten die Forscher die Zunge und konnten so die Veränderungen der künstlich erzeugten Laute messen.

Und tatsächlich: Veränderte sich die Position der Zunge nur um wenige Millimeter, dann gaben die toten Vögel völlig andere Laute von sich. "Der Unterschied ist größer als der zwischen 'A' und 'O' bei der menschlichen Sprache", erläutert Beckers, der inzwischen an der niederländischen Universität Leiden arbeitet.

Die Forscher glaubten sogar, bei dem künstlichen Papageien-Geplapper vier verschiedene akustische Formante heraushören zu können. Diese charakteristischen Frequenzbereiche bilden die typische Klangfarbe, welche die menschliche Stimme individuell auszeichnet. Demnach verfügte ein Papagei tatsächlich über einen ähnlich gebauten Sprechapparat wie ein Mensch. Ob er nun damit auch wirklich sprechen kann, bleibt dahingestellt.

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