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Medizinischer Einzelfall: Wenn Fischpediküre dem Fuß schadet

Manche schwören darauf, sich die Füße von knabbernden Fischen pflegen zu lassen. Doch die Behandlung kann Mensch und Tier schaden.
Fischpediküre

Es ist ein großstädtischer Trend: der Besuch eines Fisch-Spas, wo kleine Fische die Hornhaut schrundiger Füße fressen sollen. Tatsächlich knabbern in den Becken Rötliche Saugbarben (Garra rufa) Hautschuppen von zahlenden Kundinnen und Kunden. Doch über die gesundheitlichen Folgen lässt sich durchaus streiten. Denn nicht immer pflegen die Tiere die Füße nur, sie – oder das Wasser in den Becken – können auch üble Krankheiten übertragen, wie der Fall einer New Yorkerin in »JAMA Dermatology« lehrt. Die Frau wurde bei einem Hautarzt vorstellig, nachdem sie über sechs Monate unter sich ablösenden Zehennägeln litt. Bei dieser als Onychomadesis bezeichneten Erkrankung verkümmert die Nagelplatte und trennt sich vom Nagelbett her ab, während ein neuer Nagel darunter heranwächst.

Da sie keine anderen Erkrankungen aufwies und auch in ihrer Familie keine Nagelprobleme bekannt waren, weitete sich die Ursachenforschung aus. Nun rückte die Behandlung in einem Fisch-Spa in den Mittelpunkt, das die Patientin kurze Zeit vor Beginn der Onychomadesis aufgesucht hatte. Wahrscheinlich hatten die pickenden Fische das Nagelbett verletzt und damit einen Entzündungsprozess ausgelöst, der letztlich zum Ausbruch der Krankheit führte, wie Shari R. Lipner von Weill Cornell Medicine in ihrer Studie berichtet. Es könne bis zu einem Jahr dauern, bis die Nägel wieder normal wachsen.

Das sei der bislang wohl erste Fall von Onychomadesis, der auf diese Fische zurückgeführt werden könnte, meint Lipner. Allerdings wurden schon verschiedentlich Mahnungen laut, die Tiere und Becken könnten Krankheiten übertragen. Das US-Center for Disease Control (CDC) warnte schon vor Jahren, dass Menschen sich bei dieser Therapie über Wunden mit Krankheitserregern wie Staphylococcus aureus oder Mycobacterium marinum infizieren, die zu Entzündungen und Hautausschlägen führen. Schwierig sei laut CDC vor allem eins: Die Becken können zwischen einzelnen Anwendern praktisch nicht desinfiziert werden. Das Übertragungsrisiko erhöhe sich deshalb beträchtlich.

Der Einsatz der Fische ist zudem aus Tierschutzgründen problematisch. Die aus Kleinasien stammende Art ist zwar Allesfresser, muss aber auf Entzug pflanzlicher Nahrung gesetzt werden, damit sie sich an die Hautschuppen der Menschen macht. Auch deutsche Dermatologen raten daher dringend von einer unspezifischen und unkontrollierten Behandlung ab, obwohl die Barben gegen Schuppenflechte helfen können. In einer Studie – allerdings ohne Kontrollgruppe – reduzierten die Fische die betroffenen Hautflächen um mehr als 70 Prozent.

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