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Video: Wenn zwei Luchse Argumente austauschen

Einem Luchs in freier Wildbahn zu begegnen, ist seltenes Glück - gleich zwei dabei zu beobachten und zu filmen, wie sie sich anmaulen, ist unbezahlbar.
Kanadischer Luchs

Nicole Lewis und Edward Trist fuhren am 18. Mai 2018 einen Forstweg in Ontario entlang, als sie auf eine sehr selten zu beobachtende Szene stießen. Am Rand der Straße standen sich zwei Kanadische Luchse (Lynx canadensis) gegenüber, die so etwas wie Argumente austauschten. »Wir fuhren die Straße hinab, und dann standen dort zwei Luchse. Selbst als wir uns näherten, bewegten sie sich nicht – was wirklich merkwürdig war«, erzählte Trist »Global News«. Und deshalb begannen sie auch zu filmen.

Die beiden Naturfreunde zeichneten einen langen Disput der heulenden Katzen auf. Physische Gewalt konnten sie nicht beobachten – nur einmal versuchte einer der Luchse dem anderen einen Pfotenschlag mitzugeben. Insgesamt deutete die Körpersprache beider Tiere aber nicht darauf hin, dass sie die Situation eskalieren lassen wollten. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Revierstreit, meinte Luke Hunter von der Naturschutzorganisation »Panthera« gegenüber »Live Science«. Kanadische Luchse verpaaren sich im zeitigen Frühjahr, zumeist im April. Dieses Jahr habe der Winter im Zentrum Nordamerikas jedoch lange angedauert, so dass sich die Tiere wohl erst jetzt verpaart haben. Im Sommer gebären die Weibchen dann die Jungen.

© Nicole Lewis
Kanadische Luchse

Im Frühling streifen daher viele Luchse umher, um einen Partner zu finden – und häufig treffen dabei Tiere aufeinander, die ihr Revier verteidigen wollen. »Das sind faszinierende Lautäußerungen, die ich bislang noch nicht bei Kanadischen Luchsen gehört habe«, sagt Hunter. »Aber im Grunde genommen ist es nichts anderes als das kreischende Heulen von Hauskatzen, das Stress anzeigt und Artgenossen einschüchtern soll.« Aus dem Video könne man nicht schließen, ob es sich um Weibchen oder Männchen handle, doch lege der wuchtige Kopf mit den Fellbüscheln nahe, dass es zwei Kater sein könnten. Auch ein Aufeinandertreffen beider Geschlechter sei möglich. Dass beide Seiten die Auseinandersetzung nicht steigern wollen, sei gerade am Ende der Paarungszeit sinnvoll. Keiner wolle eine Verletzung riskieren, was die Chance auf eine erfolgreiche Verpaarung weiter verringern könnte. »Sie lassen sich beide auf eine Art Ritual ein, bei dem sie austesten, ob das Gegenüber eine Gefahr oder einen potenziellen Partner darstellt«, erklärt der Katzenbiologe.

Ein Verhalten faszinierte Hunter am meisten: als die Luchse mit ihren Köpfen fast zusammenstießen, bevor sie sich wieder zurückzogen. »So etwas habe ich tatsächlich noch nicht gesehen«, sagte Hunter gegenüber »Live Science«. Das Verhalten erinnere ebenfalls an Hauskatzen, wo Kopfstöße als leidenschaftliche Geste gelten. Und deshalb könnten es tatsächlich ein Männchen und ein Weibchen gewesen sein, die hier erste Bande knüpften – auch wenn es in unseren Augen ganz anders aussieht.

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