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Covid-19: Wer mit kleinen Kindern zusammenlebt, steckt sich nicht häufiger an

Menschen, die sich das Haus mit Kindern teilen, hatten zudem bislang kein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken oder daran zu sterben. Das legen Daten aus England nahe.
Kind mit Mutter und MaskeLaden...

Kinder und Jugendliche sind nach allem, was man bisher weiß, nicht die Treiber der Pandemie. Trotzdem fürchten viele, dass sie das Coronavirus – im Zweifelsfall symptomlos und unbemerkt – von außen in Familien hineintragen und damit eine Gefahr für Verwandte darstellen könnten, die es dann womöglich schlimmer erwischt. Vor allem, wenn die Jüngsten weiterhin Kita oder Schule besuchen, wo Abstandhalten ja bekanntlich schwierig ist.

Eine große, allerdings noch nicht begutachtete Studie aus England deutet nun darauf hin, dass Menschen, die mit Kindern zusammenleben, zumindest bislang kein höheres Risiko als kinderlose Personen hatten, einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln oder an Covid-19 zu sterben. Wer mit Kindern unter zwölf Jahren zusammenwohnt, steckte sich auch nicht häufiger an.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) und der University of Oxford analysierte Gesundheits-, Krankenhaus- und Sterbedaten von rund zwölf Millionen Briten. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich dabei vom 1. Februar bis zum 3. August 2020. Während dieser Zeit waren die Schulen in England zunächst geöffnet. Ab dem 20. März durften dann nur noch jene Schüler hingehen, die Anspruch auf eine Notbetreuung hatten, und später wurden die Bildungseinrichtungen für die Sommerferien schließlich ganz geschlossen.

Die Auswertung zeigt: Erwachsene, die 65 Jahre oder jünger waren und mit Kindern bis zu einem Alter von elf Jahren zusammenlebten, erkrankten in den ersten Monaten der Pandemie nicht häufiger an Covid-19 als Vergleichspersonen ohne Kinder. Die Betroffenen mussten auch nicht häufiger ins Krankenhaus oder auf die Intensivstation. Ihr Risiko, an Covid-19 zu sterben, war im Vergleich zur Kontrollgruppe sogar um ein Viertel reduziert. Allerdings starben Personen mit Kindern auch aus anderen Gründen im Versuchszeitraum deutlich seltener – womöglich, weil sie schlicht fitter sind oder gesünder leben.

Personen im Alter von 65 Jahren oder weniger, die mit Kindern im Alter von 12 bis 18 Jahren zusammenleben, hatten insgesamt ein um acht Prozent höheres Risiko, sich anzustecken. Doch auch sie hatten nicht häufiger schwere Verläufe als kinderlose Personen und starben ebenfalls seltener an Covid-19. Bei Erwachsenen über 65 Jahren konnten die Wissenschaftler unabhängig vom Alter der Kinder gar keine Unterschiede im Erkrankungsrisiko oder in der Wahrscheinlichkeit auf einen schweren Verlauf feststellen.

Ob das auch künftig so bleibt, ist derzeit aber noch ungewiss. Schließlich waren die Verhältnisse in England zwischen März und August 2020 andere als heute. Darauf weist auch Studienautor Ben Goldacre von der University of Oxford auf Twitter hin: »Unsere Analyse befasst sich mit der Zeit, als das gesellschaftliche Leben weitgehend offen war, und vergleicht dies dann mit der Zeit, als Schulen und das gesellschaftliche Leben weitgehend geschlossen wurden.« Im November und Dezember stehe England jedoch wahrscheinlich eine Zeit bevor, in der sich die Gesellschaft wegen hoher Infektionszahlen im (Teil-)Lockdown befinde, die Schulen aber nach wie vor geöffnet seien. In diesem Fall wolle man die Analyse wiederholen und sehen, ob sich etwas an den Ergebnissen ändere.

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