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Australien: Wie der Beutellöwe seine Beute einsackte

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein Löwe. Daher der Name. Doch so gut wie nichts verbindet den Australischen Beutellöwen mit der Großkatze. Am wenigsten die Hasenzahnattacke.
Beutellöwe im Sprung

Der Beutellöwe lebte bis vor einigen zehntausend Jahren auf dem australischen Kontinent, dann starb er aus noch ungeklärter Ursache aus. Die ersten Menschen, die nach Australien vordrangen, bekam er kurz vor seinem Ableben noch zu Gesicht – Zusammenhang nicht ausgeschlossen. Neben Darstellungen in alten Höhlenmalereien helfen Fossilfunde dabei, Aussehen und Verhalten des Beuteltiers zu rekonstruieren. Wissenschaftler um Christine Janis von der University of Bristol wollen nun einen entscheidenden Hinweis auf die Jagdstrategie von Thylacoleo carnifex entdeckt haben. Fündig wurden sie im Ellenbogengelenk.

Die Forscher glichen Form und Größe des Gelenks und der angrenzenden Knochen bei zahlreichen Arten mit Verhalten und Lebensweise der Tiere ab. Baumkletterer hätten beispielsweise ein Gelenk, das ihnen die Drehung ihres Unterarms erlaubt. Tiere, die besonders schnell rennen, verfügten hingegen über eher starre Gelenke, die nur ein Vor und Zurück gestatten.

»Aber überraschenderweise hatte [der Beutellöwe] ein für alle lebenden Raubtiere einzigartiges Ellenbogengelenk«, sagt nun Janis. »Eines, das viel Freiheit für Drehbewegungen ließ, wie bei einem Baumbewohner, das aber auch Merkmale hatte, die die Arme auf dem Boden stabilisierten. Das legt nahe, dass er nicht einfach ein Kletterer war.«

Weitere Hinweise darauf, wie Thylacoleo carnifex seine Beute niederrang, liefern seine bewegliche »Daumenkralle« und sein Gebiss: Anders als moderne Katzen oder Hunde hatte der Beutellöwe verlängerte Schneidezähne, die ihm ein hasenartiges Aussehen verliehen. Für einen Todesbiss waren die Vorderzähne aber wohl nicht scharf genug, konstatieren die Forscher.

Aus allen drei Merkmalen rekonstruieren sie nun folgendes Verhalten: Ihrer Meinung nach packte Thylacoleo carnifex seine Beute mit dem Maul, hielt sie im Hasenbiss gefangen und tötete sie dann mit Hilfe seiner kräftigen Klauen. Vor allem sein beweglicher Daumen sei ihm dabei zugutegekommen. Damit aber unterscheidet sich sein Vorgehen beispielsweise grundlegend von dem eines Löwen, der die Beute mit den Krallen packt und mit dem Gebiss ums Leben bringt. Die meisten heutigen Raubtiere verfahren nach diesem Muster oder töten jedenfalls mit den Zähnen.

Die Proportionen der Gliedmaßen von Thylacoleo carnifex lassen überdies vermuten, dass der Beutellöwe nicht zu den Schnellsten im Tierreich gehörte. Vermutlich lauerte er der Beute eher auf, als dass er sie hetzte oder im Sprint riss. Nach Meinung mancher Forscher hatte er dabei noch einen besonderen Trick in petto: Wie die Legende vom »drop bear« nahelegt, könnte sich der Beutellöwe auch aus dem Geäst auf sein Opfer gestürzt haben.

Um das Fleisch seiner Mahlzeit klein zu bekommen, setzte Thylacoleo carnifex dann übrigens wohl weder auf Krallen noch auf Schneidezähne: Seine Backenzähne sind klingenartig geformt und leisteten beim Zerteilen der Nahrung sicherlich gute Dienste.

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