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Ozeane: Zigarettenfilter - der häufigste Müll im Meer

Alle Welt redet über Plastikmüll im Meer. Ein größeres Problem als Strohhalme und Co könnten jedoch Zigarettenkippen sein. Sie finden sich in unvorstellbarer Menge.
Zigarettenkippe am Strand

Jedes Jahr werden weltweit rund sechs Billionen Zigaretten konsumiert – die meisten davon besitzen einen Filter aus Zelluloseazetat, der Schadstoffe aus dem inhalierten Gas zurückhalten und den Rauch milder machen soll. Nicht wenige dieser Filter enden nach dem Konsum der Zigaretten allerdings nicht im Aschenbecher oder der Mülltonne, sondern werden achtlos in die Umwelt entsorgt – wo sie allerdings erst nach Jahren oder Jahrzehnten zerfallen und während dieser Zeit nach und nach ihre giftige Fracht absondern. Das macht die »Kippen« zu einem bislang wenig beachteten, aber massenhaft im Meer schwimmenden Abfall, wie »NBC News« berichtet. Das Cigarette Butt Pollution Project möchte dies ändern: Die Initiative will durch Aufklärungskampagnen und Verbote erreichen, dass zukünftig deutlich weniger Zigarettenfilter die Umwelt verschmutzen.

Sie beruft sich dabei unter anderem auf Daten der Nichtregierungsorganisation Ocean Conservancy, die seit 1986 weltweit von Freiwilligen Abfallsammlungen an Stränden durchführen lässt. Am häufigsten lesen die Beteiligten demnach Zigarettenkippen auf: mehr als 60 Millionen Stück seit Beginn der Sammlungen, was die Filter mit Abstand zum häufigsten Müll an der Küste macht – weit vor Strohhalmen, Plastiktüten oder Flaschen. Ein Teil davon stammt von Badegästen direkt, die den Sand als Aschenbecher missbrauchen; noch mehr Filter würden jedoch durch Regen in Flüsse und Bäche und schließlich ins Meer geschwemmt, wo sie letztlich mit den Wellen mitunter wieder an den Strand gelangen.

Zelluloseazetat basiert zwar auf einem Naturprodukt, doch durch die Weiterverarbeitung entsteht ein Kunststoff, der sich nur schwer zersetzt und in erster Linie mechanisch zerkleinert wird. Das Mikroplastik wird zusammen mit den anhaftenden Schadstoffen von Tieren aufgenommen und reichert sich in der Nahrungskette an. Laut »NBC News« wurden Zigarettenrückstände in 70 Prozent aller untersuchten Seevögel und einem Drittel der Meeresschildkröten nachgewiesen. Zu den problematischen Schadstoffen in den Filtern gehören unter anderem Arsen, Blei, Kadmium, aromatische Kohlenwasserstoffe, Nikotin sowie Teer. In einem Labortest wurden zum Beispiel Wasserflöhe einem Zigarettenfilter in acht Liter Wasser ausgesetzt, 48 Stunden später waren sie dadurch verendet.

Die Zigarettenindustrie setzt diese Filter seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein, ist sich der Problematik jedoch durchaus bewusst – auch um Strafen oder Restriktionen zu entgehen. Sie experimentierte unter anderem mit reinen Papierfiltern und Baumwolle, sogar essbare Filter wurden angedacht. Zudem finanzierten die Produzenten Aufklärungskampagnen, dass die Kippen in den Abfall und nicht in die Umwelt gehörten. Doch an vielen Raucherinnen und Rauchern ging diese Information vorbei, wie eine Untersuchung zeigte: Viele Konsumenten gehen fälschlicherweise davon aus, dass die Filter biologisch abbaubar sind. Oder aber sie ekelten sich vor dem Geruch und Aussehen von öffentlichen Aschenbechern, dass sie diese nicht nutzen wollten.

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