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Unverzichtbare Suspension

"Blut ist ein ganz besonderer Saft." Schon zu Zeiten Goethes, von dem dieses Zitat stammt, war bekannt, dass Blut für unser Leben unverzichtbar ist. Besonders klar erschließt sich das im vorliegenden Buch.

Autor Jürgen Brater betrieb nach seinem Studium der Medizin und Zahnmedizin bis 1996 eine eigene Praxis. Danach war er jahrelang als Seminarleiter in der Aus- und Weiterbildung medizinischer Fachkräfte tätig. Dem Band merkt man das an: Er ist verständlich und anschaulich, auch für Laien. Brater möchte Wissen vermitteln, Verhaltensänderungen bei den Lesern anstoßen und Hürden zwischen Laien und Experten überwinden.

Dieses Ziel erreicht der Autor. Nach der Lektüre hat man im Wesentlichen verstanden, was Blut ist und welche Funktionen es ausübt. Man hat sich diverse medizinische Fachbegriffe erschlossen und weiß, was ein Hämatom oder ein Koagulum ist. Man hat Ursachen von Blut- und Kreislaufkrankheiten kennen gelernt und erfahren, wie man diesen vorbeugen kann. Blut macht im Durchschnitt immerhin acht Prozent des Gewichts eines Menschen aus und ist damit ein bedeutsamer Körperbestandteil.

Fest in flüssig

Chemisch betrachtet handelt es sich bei dem "besonderen Saft" um eine Suspension, also eine Flüssigkeit mit festen Bestandteilen. Auf deren flüssigen Anteil – das Plasma – geht Brater zuerst ein. Anschließend widmet er sich den (mehr oder weniger) festen Bestandteilen: den Thrombo-, Lympho-, Erythro-, Granulo- und Monozyten. In dem Zusammenhang beschreibt er einschlägige Krankheiten: Was haben Erythrozyten mit Gelbsucht zu tun? Was ist eine Rhesusunverträglichkeit?

Zudem schildert Brater die Funktionen des Bluts. Es fließt durch den Kreislauf, transportiert Nährstoffe und Sauerstoff und entsorgt Abfallstoffe. Durch Gerinnen sorgt es dafür, dass Wunden verschlossen werden und keine unstillbaren Blutungen eintreten. Es heizt und kühlt und regelt so die Körpertemperatur. Seine Immunbestandteile bekämpfen Infektionserreger.

Anhand bestimmter Blutwerte können Ärzte gesundheitliche Probleme feststellen. Im Oktober 2015 berichteten amerikanische Wissenschaftler vom Regional Medical Center in Orlando, Florida, über ein neu entwickeltes Verfahren, mit dem sich eine Gehirnerschütterung bei Kindern entdecken lässt. Der Test weist im Blut das "saure Gliafaserprotein" nach, das normalerweise nur in speziellen Zellen des Gehirns vorkommt. Erst wenn diese verletzt sind, tritt das Protein in die Blutbahn über. Dort spürten es die Forscher bei 94 Prozent der untersuchten Kinder mit Gehirnerschütterung auf. Der Test könnte die Diagnostik einer Gehirnerschütterung künftig erheblich vereinfachen.

Verräterische Hautverfärbungen

In der Kriminalistik lässt sich mit Hilfe des Bluts der Todeszeitpunkt schätzen: Nach dem Ableben wird es nicht mehr vom Herzen durch die Gefäße getrieben und sickert daher in die Haut, wo es Leichenflecken entstehen lässt. Allerdings folgt es nur während der ersten sechs Stunden post mortem zuverlässig der Schwerkraft. Bewegt ein Rechtsmediziner also die Leiche und wandern die Leichenflecken daraufhin zur neuen Körperunterseite, ist der Gestorbene maximal sechs Stunden tot.

Zahlreiche Erkrankungen stehen in Zusammenhang mit Blut: Anämie, Leukämie, Gerinnungsstörungen, Sepsis, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Band thematisiert für viele von ihnen, wie sie entstehen und wie man sie therapieren kann. Bluthochdruck, Arteriosklerose und damit auch Herzinfarkt oder Schlaganfall lässt sich vorbeugen. Dazu gehöre, so Brater, eine positive Lebenseinstellung, guter Schlaf, gesunde Ernährung, Bewegung – am besten Ausdauersport – und der Verzicht auf Rauchen sowie weit gehende Alkoholabstinenz. Insbesondere der Cholesterinspiegel im Blut solle begrenzt werden, schreibt der Autor. Gegen einen überhöhten Cholesterinspiegel eigneten sich cholesterinsenkende Medikamente am besten.

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Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 39/2016

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