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An Erfahrungen wachsen

Ein persönlich gefärbtes Buch einer Motivationsforscherin, das mit praktischen Tipps spart.

Als Motivationsforscherin wollte Michaela Brohm-Badry, Professorin für Lehr-Lern-Forschung an der Universität Trier, ein Buch über Motivation schreiben – doch ihre eigenen Methoden wurden ihr zum Verhängnis. Sie entwickelte eine obsessive Leidenschaft, die keinen Platz für Ruhe und Ausgleich ließ, und arbeitete bis an ihre psychischen und physischen Grenzen. Erst ein geplatztes Hirnaneurysma brachte sie zum Umdenken.

Brohm-Badrys persönliche Geschichte zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch: vom Rückzug in eine einsame Mühle über das Kennenlernen ihrer Frau bis zur völligen Überarbeitung. Dann der Schicksalsschlag und der lange Weg der Genesung. Anhand ihrer Biografie erklärt die Autorin anschaulich, welche inneren und äußeren Umstände zum Glück verhelfen können.

Unglück als Voraussetzung zum Glück?

Immer wieder betont die Wissenschaftlerin, dass man an Schicksalsschlägen wachsen könne. Allgemein wirkt es so, als ob sie vor dem Aneurysma nicht besonders glücklich und zufrieden war. Dadurch gewinnt man beim Lesen leider den Eindruck, ein traumatisches Erlebnis sei praktisch Voraussetzung dafür, den Weg zum eigenen Glück zu finden.

Die persönliche Geschichte der Autorin und die Einblicke in die Tücken des Akademikerlebens sind fraglos spannend. Ihre Schilderungen untermalt Brohm-Badry mit Exkursen in die Kunst und Musik. Ob die eingestreuten Zitate aus Liedern und Gedichten die Lektüre wirklich bereichern, ist wohl Geschmackssache. In jedem Fall hat die Autorin keine Scheu, sich vor ihren Lesern zu offenbaren und eigene Fehler einzugestehen. Das macht sie sympathisch und nahbar. Zudem legt sie immer wieder interessante Erkenntnisse der positiven Psychologie und Motivationsforschung dar.

Wer sich von dem Buch viele praktische Tipps erhofft, wird allerdings enttäuscht. Ein paar Anregungen liefert es zwar, zum Beispiel die, klare und erreichbare Ziele schriftlich festzuhalten oder belastende Erlebnisse positiv oder zumindest neutral zu interpretieren. Aber jede(r) hat wohl schon einmal solche Ratschläge vernommen und dann festgestellt, dass sie in bestimmten Situationen nicht wirklich helfen. Andere Tipps sind für viele schlicht nicht umsetzbar, etwa schädliche Beziehungen im Leben einfach zu beenden. Schließlich ist man mit manchen Menschen nun einmal unausweichlich verbunden.

Die zentrale Frage »Wie wird man wirklich glücklich?« hat Brohm-Badry zwar nicht beantwortet. Doch immerhin zeigt sie, dass jeder Mensch sein eigenes Glück im Leben finden muss – und gibt Denkanstöße, wie man damit anfangen kann. Das Buch eignet sich eher für diejenigen, die ohnehin schon halbwegs glücklich sind, hier und da etwas verbessern wollen und sich manchmal daran erinnern müssen, dass auch bei anderen nicht alles perfekt läuft.

31/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31/2019

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