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Hatts dufte Welt: Glücklichmacher fürs Gehirn

Bei Schokolade schmelzen wir dahin, und schon bei einem Hauch von Vanillepudding läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Warum? Weil sie das Belohnungssystem unseres Gehirns aktivieren. Genauso wie einige andere Lebensmittel, die uns mit Glückshormonen verführen.
Frau schaut auf SchokoladeLaden...

Schokolade ist die liebste Nascherei der Deutschen und der absolute Star unter den Glücklichmachern. Sie besteht aus 600 Geschmackskomponenten. Studien aus den USA zeigen, dass die Hälfte der Amerikaner eher auf Sex als auf Schokolade verzichten würde. Schon beim Anblick frohlockt unser Gehirn, weil es das samtige Gefühl auf der Zunge und das zufriedene Glück nach dem Schokoladengenuss kennt und sich daran erinnert. Hellwach wird vor allem der Nucleus accumbens, ein kleiner Kern im Vorderhirn, zuständig für Lust und Glück.

Er ist Teil des Belohnungssystems, eines ganzen Netzwerks, das auf unterschiedlichste Weise aktiviert werden kann. Da reicht schon ein einfaches Lob oder ein herzhaftes Lachen, Anerkennung und Zärtlichkeit oder der Genuss eines tollen Essens. Experimente zeigen, dass dabei die Kombination aus Zucker und Fett besonders wirksam ist, und hierbei ist die Schokolade unschlagbar. Der wundersame Nucleus wird durch das Glücksgefühle bringende Hormon Dopamin stimuliert und sendet dann seine Erregungspotenziale an andere Gehirnareale wie den Hippocampus, den Sitz der Erinnerung, und die Amygdala, die für Emotionen, Lust und Freude zuständig ist. Mit ein Grund, warum oft bereits der Schokoladenduft als Erinnerungstrigger ausreicht, um das Lustzentrum zu aktivieren.

Schokolade belohnt schon beim Riechen

Das Belohnungssystem springt an, wenn der Mensch Dinge isst, die er mag und die für ihn eine positive emotionale Bedeutung haben. Das kann für den einen oder anderen das Käsebrot und der saure Hering sein, für die meisten Menschen aber sind es süße, gern auch fette, also energiereiche Lebensmittel. Das liegt daran, dass wir im Lauf der Evolution darauf achten mussten, unseren Körper mit ausreichend Kalorien zu versorgen. Er belohnt dafür mit guter Stimmung und einem rundum zufriedenen Bauch.

Im Fall der Schokolade reicht schon ein Foto aus, um den Glückskick auszulösen. Da wir uns gern mit Schokolade trösten oder belohnen, genügt das Bild vor Augen oder erst recht Schokoduft in der Nase, um in den Wohlfühlzentren des Gehirns wahre Aktivitätsfeuerwerke zu entfachen. Londoner Neuropsychologen fanden heraus, dass die Alpha- und die Beta-Aktivität der Hirnströme bei Schokoladenduft gleichzeitig erhöht wurden. Alphawellen werden bei entspannten Menschen gefunden, Betawellen dagegen eher bei aufmerksamen und erregten Menschen. Schokoladenduft scheint also beides zu können: einen zu entspannen und dabei geistig wach zu halten. Das liegt offenbar an den Inhaltsstoffen. Das Phenylethylamin der Kakaobohne ist eine wahre Glücksdroge und findet sich auch im Blut von frisch Verliebten. Dazu kommt Anandamid, eine Droge, wie sie in der Cannabispflanze vorkommt.

Ähnlich wirksam wie Schokolade sind Bananen. Das konnten die englischen Wissenschaftler per Kernspintomografie beobachten. Bei süßem Bananenduft startet wie bei Schokolade eine Wirkungskette, die zunächst die Produktion von Insulin anregt, das wiederum den Botenstoff Tryptophan in Gang setzt, woraus dann Serotonin gebildet wird, ein wichtiger Bestandteil unseres Glückshormoncocktails. Es sagt uns, wann wir gesättigt und zufrieden sind. Glücklich mit Bananen! Und außerdem gesund, möchte man hinzufügen. So gesund, dass man sich tagelang nur von ihren Vitaminen, Mineralstoffen, Enzymen und Hormonsubstanzen ernähren kann, ohne unter Mangelerscheinungen zu leiden, vor allem da Bananen mit ihrem hohen Kohlenhydratanteil auch sehr kalorienreich sind.

Wer keine Bananen mag, wird garantiert mit Vanille glücklich, dem Doping-Duft unserer Kindheit. Er ruft Erinnerungen an die fernen Tage wach, als wir sorglos und geborgen die köstliche, nach Vanille duftende Milch der Mutterbrust genießen durften. Dieser Duft prägt uns fürs Leben und sorgt immer wieder für eine ausreichende Produktion von Glückshormonen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Vanille beruhigt, die Stimmung aufhellt und gegen Angst, Stress und Burnout-Symptome hilft. Auch Säuglinge riechen nach Vanille, vor allem im Nacken und an der Fontanelle.

Some like it hot

Ein feuriger Glücksbote ist die Chilischote. Alle pfefferhaltigen Pflanzen enthalten den Wirkstoff Capsaicin, der den Warn- und Schmerznerv Nervus trigeminus aktivieren kann. Und weil der »Capsaicin-Sensor« gleichzeitig auch für die Wahrnehmung von Hitze zuständig ist, können Chilischoten (hot chili) dieselben Reaktionen auslösen wie heiße Suppe. Im Extremfall sogar: starke Schweißausbrüche und Verbrennungsschmerz.

Unser Mund scheint zu »glühen«, wobei sich jedoch objektiv die Temperatur nicht geändert hat, die Empfindung wird nur im Gehirn gemacht. Dieses reagiert aber genau wie bei einer Brandverletzung: Der Schweiß soll uns abkühlen, die Ausschüttung von Endorphinen schützt uns vor Schmerz und wirkt dabei ähnlich wie Morphium. Zusammen mit der massiven Durchblutungssteigerung sorgt das dafür, dass der Mensch in einen belohnenden Glücksrausch verfällt. Der Endorphin-Kick kann sogar süchtig machen und Menschen dazu verführen, ihr Essen immer feuriger zu schärfen.

Der fünfte Glücksmacher ist der Käse – nicht umsonst der Abschluss eines guten Essens. Käse ist reich an Tryptophan wie Schokolade und Banane und natürlich an vielen wichtigen Proteinen und Kohlenhydraten. Trinkt man zum Käse noch ein Glas Rotwein, so verstärken sich beide in der Stimulation des Belohnungszentrums, denn Rotwein verlangsamt den Abbau von Serotonin. Serotonin macht übrigens nicht nur glücklich, sondern auch selbstbewusster. Das fanden Forscher erst kürzlich heraus.

Personen, die während des Versuchs eine tryptophanarme Diät zu sich nahmen, begannen bald, ihre eigenen Interessen zu vernachlässigen. Eine Kontrollgruppe, die regelmäßig Käsebrote aß, glänzte dagegen mit Selbstbewusstsein und Entschlossenheit. Eine Veröffentlichung im renommierten Wissenschaftsblatt »Science« rückt die Substanz Serotonin in ein völlig neues Licht. Bisher schrieb man Verhandlungsgeschick und Klarheit der Gedanken vor allem einem optimalen Blutzuckerspiegel zu – ist er zu niedrig, umwölkt sich das Hirn. »Viel wichtiger ist der Serotoninspiegel«, korrigieren jetzt die Cambridge-Mediziner und weisen Serotonin einen entscheidenden Anteil bei der Steuerung unserer Emotionen und unseres sozialen Verhaltens zu.

5/2019 (September/Oktober)

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum Psychologie, 5/2019 (September/Oktober)

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