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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Theriak

Theriak
(syn. Electuarium Theriacale, E. Theriaca, E. Mithridaticum, Theriaca). Erstmals in den Schriften des Nikandros (um 200 v.Chr.) erwähnt, galt der Theriak als Name einer medizinischen Zubereitung, die aus zahlreichen Komponenten gemischt wurde und sowohl als Antidot bei Vergiftungen als auch als Heilmittel bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt wurde. Das älteste Rezept für einen Theriak wird von Claudius Galenus (130-210), dem griechischen Arzt der römischen Kaiserzeit, überliefert. Es geht zurück auf Apollodorus, einen Arzt aus dem 3. Jh. v.Chr. Dieser Theriak enthielt u.a. Kümmel, Blut und Inhalt des Labmagens verschiedener Tiere. Ein anderes Rezept stammt von Herophilus von Alexandria aus der gleichen Zeit, dieser Theriak enthielt neben zahlreichen anderen Bestandteilen reichlich Mohnsaft. Als Antidot bei Vergiftungen wurde der Theriak von Mithridates von Pontus (124-32 v.Chr.) entwickelt und galt danach als wichtiges Heilmittel der antiken Medizin. Im Laufe der Zeit wurden dem Theriak bis zu 64 verschiedene pflanzliche und tierische Bestandteile zugemischt, wobei Opium eine Hauptkomponente bildete. Um den unangenehmen Geruch und Geschmack zu überdecken, wurde Zimt als Korrigens zugegeben. Über die Araber in Spanien und durch die Kreuzritter verbreitete sich der Gebrauch des Theriak im 12. Jh. auch in Europa. Der Bedeutung dieses Arzneimittels entsprechend, wurde die Herstellung des Theriaks zumeist öffentlich unter der Obhut des Rates durchgeführt. Aufgrund des Gehaltes an Opium diente er sowohl als Schmerzmittel als auch als Genußmittel (Suchtmittel) und hatte den Ruf eines Allheilmittels. Der Theriak gehörte noch zum Inhalt des ersten deutschen Arzneibuches (Pharmacopoea Germanica) von 1872 und der französischen Pharmakopöe von 1884, allerdings nur noch mit 12 Bestandteilen, wobei Opium (1 %) die wichtigste Komponente darstellte. Als Droge hat der Theriak heute keine Bedeutung mehr.

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