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Kompaktlexikon der Biologie: Trichoptera

Trichoptera, Köcherfliegen, Taxon der Insecta mit insgesamt über 7000 Arten, in Mitteleuropa etwa 300. Sie sind die Schwestergruppe der Schmetterlinge (Lepidoptera) und werden mit diesen als Amphiesmenoptera zusammengefasst. Die Imagines der Köcherfliegen sind je nach Art 3 – 60 mm groß und von unscheinbarer Färbung. Der kleine Kopf trägt zwei fast körperlange, nebeneinander nach vorne gestreckte, dünne Fühler; die stark gewölbten Komplexaugen liegen seitlich. Die Mundwerkzeuge sind nur verkümmert ausgebildet. Die drei Paar Beine am Brustabschnitt sind als Laufbeine angelegt, die Klauen tragen Haftlappen. Die behaarten zwei Paar Flügel werden in Ruhe dachartig übereinandergelegt. Durch Hakenapparate werden die kürzeren Hinterflügel mit den Vorderflügeln während des Fluges verbunden. Die Imagines werden nur ca. einen Monat alt, den Hauptteil ihres Lebens verbringen die Köcherfliegen als Larve im Wasser. Der Kopf der Larve ist länglich gestreckt, trägt zurückgebildete Fühler und kleine Larvalaugen. Die Vorderbrust ist stark chitinisiert, während Mittel- und Hinterbrust variieren. Der Hinterleib ist weichhäutig. Die meisten Arten atmen über faden- oder büschelförmige Tracheenkiemen. Etwa die Hälfte aller Larven der Köcherfliegen baut Gehäuse, die aus verklebtem Speichel und verschiedenen Fremdmaterialien, wie Holzstückchen, Sandkörnern und Ähnlichem, bestehen (Köcherlarven). Andere Köcherfliegenlarven leben auf Steinen oder an Pflanzen und bauen trichterförmige Fangnetze, mit denen sie Beute aus dem Wasserstrom fangen. Arten mit transportablem Köcher suchen die Beute aktiv auf. Keine Wohnröhre bauen räuberische Gatt. z.B. der Familie Rhyacophilidae. Zur Verpuppung schließen sich alle ausgewachsenen Larven in einen Köcher ein. Die letzte Häutung vollzieht sich an der Wasseroberfläche, nachdem die freigliedrige Puppe sich aus dem Köcher befreit und schwimmend oder kriechend nach oben gelangt ist.

Literatur: Wichard, W.: Die Köcherfliegen, NBB 512, 1988.

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  • Die Autoren

Redaktion:
Dipl.-Biol. Elke Brechner (Projektleitung)
Dr. Barbara Dinkelaker
Dr. Daniel Dreesmann

Wissenschaftliche Fachberater:
Professor Dr. Helmut König, Institut für Mikrobiologie und Weinforschung, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Professor Dr. Siegbert Melzer, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich
Professor Dr. Walter Sudhaus, Institut für Zoologie, Freie Universität Berlin
Professor Dr. Wilfried Wichard, Institut für Biologie und ihre Didaktik, Universität zu Köln

Essayautoren:
Thomas Birus, Kulmbach (Der globale Mensch und seine Ernährung)
Dr. Daniel Dreesmann, Köln (Grün ist die Hoffnung - durch oder für Gentechpflanzen?)
Inke Drossé, Neubiberg (Tierquälerei in der Landwirtschaft)
Professor Manfred Dzieyk, Karlsruhe (Reproduktionsmedizin - Glück bringende Fortschritte oder unzulässige Eingriffe?)
Professor Dr. Gerhard Eisenbeis, Mainz (Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere)
Dr. Oliver Larbolette, Freiburg (Allergien auf dem Vormarsch)
Dr. Theres Lüthi, Zürich (Die Forschung an embryonalen Stammzellen)
Professor Dr. Wilfried Wichard, Köln (Bernsteinforschung)

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