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Heimat: Wann und wo fühlen wir uns heimisch?

Wir leben mobiler als je zuvor. Doch das Heimatgefühl schwindet dadurch nicht - im Gegenteil.
Mann im Garten querLaden...

Kristin tingelt für ihr Leben gern durch die Welt. Sie verbrachte ein Schuljahr in den USA, später studierte sie dort eine Zeit lang, bevor sie an eine niederländische Universität wechselte. Anschließend ging sie als freiwillige Helferin nach Costa Rica, zum Arbeiten und Reisen verschlug es sie über Ecuador bis nach Peru. Ihre Heimat aber trägt sie stets bei sich: Sie hat sich die geografischen Koordinaten ihrer Heimatstadt Berlin auf den Nacken tätowieren lassen. Da kommt sie her, dorthin kehrt sie immer wieder zurück. Das wollte sie verewigen.

Für viele Menschen ist es essenziell, sich selbst an einem Ort verankern zu können. Sagen zu können, das ist meine Heimat, dort bin ich groß geworden, da sind meine Wurzeln. Denn die Herkunft macht einen wichtigen Teil unserer Identität aus. In der Heimat haben wir laufen und sprechen gelernt. Eltern, Freunde und Verwandte leben dort. Es ist ein Ort der Zuflucht und einer, der einem ein Wohlgefühl gibt, das wir an neue Orte mitnehmen.

Die meisten haben eine solche erste Heimat. Sie prägt unser Verständnis davon, wie die Welt aussehen, funktionieren und riechen sollte. Mit diesem verinnerlichten Bild ziehen junge Menschen los, um anderswo neue Erfahrungen zu sammeln. Doch in einer Zeit, in der alljährlich hunderttausende junge Deutsche in die Welt hinausschwärmen und dort Monate oder Jahre leben, dürfte sich unsere Vorstellung von Heimat grundlegend ändern. So wird zunehmend fraglich, ob wir überhaupt noch einen Ort brauchen, den wir Heimat nennen.

12/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Gehirn&Geist 12/2015

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  • Quellen und Literaturtipp

Literaturtipp

Weichhart, P., Rumpolt, P. (Hg.): Mobil und doppelt sesshaft. Studien zur residenziellen Multilokalität. Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung 2015

Die Autoren schildern aktuelle Erkenntnisse über Wohnungs- und Lebensarrangements in Deutschland und Österreich.

Quellen

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Gustafson, P.: Place Attachment in an Age of Mobility. In: Manzo, L. C., Devine-Wright, P. (Hg.): Place Attachment: Advances in Theory, Methods and Applications. Routledge, London 2014, S. 37–48

Anton, C. E., Lawrence, C.: Home is where the Heart is: The Effect of Place of Residence on Place Attachment and Community Participation. In: Journal of Environmental Psychology 40, S. 451-461, 2014

Gustafson, P.: Mobility and Territorial Belonging. In: Environment and Behavior, 2008

Claßen, K. et al.: Umwelten des Alterns: Wohnen, Mobilität, Technik und Medien. In der Reihe "Grundriss Gerontologie". Kohlhammer, Stuttgart 2014

Lewicka, M.: Place attachment: How far have we come in the last 40 years? In: Journal of Environmental Psychology 31, S. 207-230, 2011

Morgan, P.: Towards a Developmental Theory of Place Attachment. In: Journal of Environmental Psychology 30, S. 11-22 , 2010

Oswald, F. et al.: Hier will ich wohnen bleiben! - Zur Bedeutung des Wohnen ins der Nachbarschaft für gesundes Altern. In: Pro Alter, 2013

Oswald, F.: Subjektive erlebte Umwelt und ihre Bedeutung für Selbstständigkeit, Identität und Wohlbefinden im Alter. In: Kruse, A. (Hrsg): Leben im Alter – Eigen- und Mitverantwortlichkeit aus der Perspektive von Gesellschaft, Kultur und Politik. Akademische Verlagsgesellschaft, Heidelberg 2010, S. 169-179

Petzold, K.: Von Einem, der auszog Wurzeln zu schlagen. Multilokalisierte Akteure und die Mechanismen lokaler Identifikation am Beispiel von Fernpendlern. In: Soziale Welt 64, S. 291-316, 2013

Reuschke, D.: Multilokales Wohnen. Raum-zeitliche Muster multilokaler Wohnarrangements von Shuttles und Personen in einer Fernbeziehung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2010

Schier, M., Proske, A: Ein Kind, zwei Zuhause. In: DJI Bulletin 89, S. 12-14, 2010

Weichhart, P., Rumpolt, P.: Residenzielle Multilokalität – Problemlagen und Desiderata der Forschung. In: Weichhart & Rumpolt (Hrsg.): Mobil und doppelt sesshaft. Studien zur residenziellen Multilokalität. Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung 2015