Direkt zum Inhalt
Login erforderlich
Dieser Artikel ist Abonnenten mit Zugriffsrechten für diese Ausgabe frei zugänglich.

Kognition: Rauschen mit tieferem Sinn

Die Nervenzellen im Gehirn sind so gut wie niemals still. Ein Großteil der elektrischen Impulse gilt allerdings als belangloses Rauschen. Haben sie womöglich doch eine wichtige Bedeutung?

Seitdem Neuroforscher vor rund 60 Jahren erstmals die Spannungsänderungen an den Membranen einzelner Nervenzellen maßen, wissen wir, dass die Hirnaktivität ständig schwankt. Selbst auf ein und denselben Sinnesreiz, zu unterschiedlichen Zeiten präsentiert, reagiert eine sensorische Nervenzelle selten mit exakt der gleichen Impulsrate. Sogar ohne jegliche Stimulation entlädt sie sich immer wieder. Doch nur ein kleiner Teil dieser Aktivität scheint für unser Verhalten oder unsere Wahrnehmung tatsächlich von Bedeutung zu sein. Das übrige Auf und Ab der Hirnaktivität gilt gemeinhin als Rauschen ohne Informationswert.

Neue Erkenntnisse aus Tierexperimenten zeigen, dass mehr hinter dem neuronalen Rauschen steckt als bislang angenommen. Im gesamten Gehirn, selbst auf den ersten Verarbeitungsstufen der Sehrinde, codieren die Nervenzellen Informationen, die nichts mit ihrer traditionellen Aufgabe zu tun haben – etwa Sehreize zu verarbeiten. Sie reagieren auf alle möglichen Verhaltensweisen, die das Tier zufällig zeigt, sogar auf das Zittern der Schnurrhaare oder das Zucken eines Hinterbeins.

Der Grund, warum diese Erkenntnis so neu ist: Bis vor etwa zehn Jahren ...

Kennen Sie schon …

Gehirn&Geist – High ohne Drogen: Wie kontrollierte Ausnahmezustände im Gehirn entstehen

Hypnose, Trance und Atemtechniken gelten vielen als esoterisch – doch die Forschung zeigt, dass sie bewusstseinsverändernde Zustände hervorrufen und sogar medizinisch wirksam sein können. Wir berichten, was solche Praktiken leisten und wo ihre Grenzen liegen. Außerdem beleuchten wir, was Wetterfühligkeit körperlich bedeutet, was eine hochfunktionale Depression ist und wie man Trauernde am besten unterstützt; und wir werfen einen Blick auf besorgniserregende Daten zur körperlichen Fitness von Kindern und Jugendlichen.

Spektrum Kompakt – Fitness

Sport tut nicht nur dem Körper, sondern auch dem Gehirn gut. Dennoch wirkt die Bewegung oft wie eine lästige Pflicht – denn erst einmal muss man eine Sportart finden, die auch Spaß macht. Und dann ist da noch der ständige Blick auf die Waage: Warum nimmt man trotz Sport oft nicht ab?

Gehirn&Geist – Faszination Gehirn: 38 Infografiken über unser Denken, Fühlen und Handeln

Weil Sprache allein nicht immer das beste Kommunikationsmittel ist, werden seit 2013 ausgewählte Inhalte auf eine andere Art präsentiert: in Infografiken. Denn manches lässt sich in Bildern so viel einfacher darstellen als mit Worten. In dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist« präsentieren wir ein »Best-of« unserer Infografiken zu Psychologie, Hirnforschung und Medizin. Wie funktioniert unser Orientierungssinn? Was haben Darmbakterien mit der Psyche zu tun? Was macht eine angenehme Unterhaltung aus? Wie wirkt Alkohol im Gehirn? Und warum lassen wir uns im Supermarkt so leicht zu Spontankäufen animieren? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie in dieser 2. Auflage der Spezialausgabe von »Gehirn&Geist«. Jede der 38 Grafiken im Heft widmet sich einem eigenen Thema.

  • Quellen

Quellen

Drew, P. J. et al.: Twitches, blinks, and fidgets: Important generators of ongoing neural activity. The Neuroscientist 25, 2019

Kumar, N. et al.: Somatosensory cortex participates in the consolidation of human motor memory. PLOS Biology 10.1371/journal.pbio.3000469, 2019

Musall, S. et al.: Single­trial neural dynamics are dominated by richly varied movements. Nature Neuroscience 22, 2019

Stringer, C. et al.: Spontaneous behaviors drive multidimensional, brainwide activity. Science 364, 2019

Vinck, M. et al.: Arousal and locomotion make distinct contributions to cortical activity patterns and visual encoding. Neuron 86, 2015

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.