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Amazonien: Abholzung mehrt den Wohlstand nicht

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Der Kahlschlag des Amazonasregenwalds erwirtschaftet zwar kurzfristige Gewinne, mehrt aber auf Dauer nicht den Wohlstand und die Lebensqualität der beteiligten Gemeinden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Ana Rodrigues von der University of Cambridge und ihren Kollegen: Sie hatten die entsprechenden sozioökonomischen Kenndaten von knapp 300 Dörfern im Amazonasbecken verglichen, deren Umgebung unterschiedlich stark entwaldet ist.

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Intakter Regenwald | Sein Wert wird häufig noch verkannt: ein natürlicher Wald mit hoher Artenvielfalt und starker Kohlendioxidspeicherkapazität.
Demnach verbessern sich zu Beginn der Entwaldung verschiedene Kenndaten wie Lebenserwartung, Alphabetisierungsgrad und Lebensstandard, doch sinken diese Werte rasch wieder, wenn die Entwaldungsfront weiter voranschreitet und sich von der Gemeinde entfernt. Ein Großteil der Wertschöpfung verbleibt zudem nicht bei den alteingesessenen Bewohnern, sondern fließt zuziehenden Holzfällern, Landspekulanten, Großfarmern und Agrarunternehmen zu. Sie wandern später auch wieder ab, wenn die Abholzung neue Gebiete erschließt, und nehmen dabei offensichtlich einen Großteil des Wertzuwachses wieder mit sich. Für die zurückbleibende Bevölkerung verschlechtern sich die Bedingungen dadurch wieder auf Verhältnisse, wie sie ebenso vor der Landumwandlung herrschten – ein Muster, das die Forscher als Boom-und-Pleite-Entwicklung bezeichnen.

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Brandrodung in Brasilien | Viehbarone und Großgrundbesitzer drängen seit Jahrzehnten in den Amazonasregenwald, um dort Weiden und Felder anzulegen. Der von ihnen erzeugte Wohlstand ist allerdings nur ein sehr kurzfristiger.
Viele der Profite sind sehr kurzfristig – etwa die Einnahmen aus dem Verkauf von Edelhölzern, die schlicht wegfallen, wenn der Wald komplett zerstört wurde. Auch Landwirtschaft und Viehzucht prosperieren nur kurzzeitig, denn die tropischen Böden laugen rasch aus, so dass die Erträge sinken. Etwa ein Drittel der bis in die 1990er Jahre angelegten Viehweiden wurde kurze Zeit später schon wieder mangels Rentabilität aufgegeben.

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Am Ende | Ein Fünftel Amazoniens wurde durch Landwirtschaft bereits zerstört. Nun erwägt Brasiliens Regierung eine Gesetzesänderung, die die Abholzung zukünftig noch erleichtern soll: Grundstücksbesitzer dürften dann die Hälfte ihres Landes roden – statt nur 20 Prozent wie bislang –, wenn sie einen Teil davon mit Ölpalmen oder Eukalyptus bepflanzen.
Bislang galt die Urbarmachung des Regenwalds als wichtige Voraussetzung, um Wohlstand in die betroffenen Gemeinden zu bringen, doch widerlegt dies die nun veröffentlichte Studie. Rodrigues Team schlägt daher vor, Kommunen im Regenwald beispielsweise über Ausgleichszahlungen im Rahmen von Klimaschutzabkommen finanziell zu unterstützen. Sie sollen eine nachhaltigere Entwicklung einleiten und den Wald schützen. Der brasilianische Bundesstaat Amazonas hat ein derartiges Programm bereits initiiert: Im Rahmen von "Bolsa Floresta" fördert die Regierung den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung und bezahlt Kleinbauern Entschädigungen, wenn sie im Gegenzug die Entwaldung ihrer Ländereien einschränken. (dl)

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