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Parasitologie : Allergiemittel hilft auch gegen Malaria

Der sonst bei Allergien verabreichte Wirkstoff Astemizol hilft gegen Malaria. Das Mittel verhindert, dass die Erreger der Tropenkrankheit Häm-Moleküle aus dem Blut in ihren Nahrungsvakuolen kristallisieren. Astemizol wirkt damit ähnlich wie das häufig angewendete Malariamittel Quinolin.

Die Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität um David Sullivan stießen auf Astemizol, als sie mehr als 2600 Medikamentenkandidaten im Hinblick auf ihre Tauglichkeit als neues Malariamittel testeten. Allen Substanzen hatten erste klinische Tests bereits Unbedenklichkeit für den menschlichen Gebrauch bescheinigt.

Wie Versuche an Mäusen ergaben, reduziert Astemizol tatsächlich die Parasitenlast von erkrankten Nagern. An Mäusen, die mit gegen das alte Malariamedikament Chloroquin nicht resistenten Erregern infiziert waren, beobachteten die Forscher sogar einen Rückgang der Parasitenzahl im Körper um achtzig Prozent. Auch bei gegen Chloroquin resistenten Parasiten war das Mittel wirksam: Hier sank die Zahl der Plasmodien auf weniger als die Hälfte.

Astemizol ist ein Antihistamin, das Mediziner bislang nur bei Allergien verschreiben. Die Substanz wurde Ende der neunziger Jahre vom Europäischen Markt zurückgezogen, da sie selten heftige Nebenwirkungen hervorruft. Ist Astemizol im Körper zu hoch dosiert, so blockiert es Kaliumkanäle im Herzmuskel und verursacht so Arrhythmien. Mediziner verschreiben den Wirkstoff dennoch weiterhin in über dreißig Ländern, so auch in den Malaria-endemischen Gebieten Kambodscha, Thailand oder Vietnam.

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