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Antarktis: Umweltverschmutzung verschlimmert Schneeschmelze in der Antarktis

In der Antarktis ist die Umweltverschmutzung hausgemacht: Je mehr Kreuzfahrtschiffe kommen, desto mehr Ruß legt sich auf den Schnee. Und der schmilzt dann schneller als ohnehin.
Kreuzfahrtschiff in der Antarktis

Eis und Schnee in der Antarktis schmelzen im Zuge des Klimawandels, und das nicht nur wegen der steigenden Temperaturen: Schuld sind auch Ruß- und Schmutzspuren, die sich auf dem Schnee als dunkler, kohlenstoffhaltiger Schleier ablagern. Die Oberfläche reflektiert dann weniger Sonnenlicht, erwärmt sich und schmilzt stärker. An besonders stark betroffenen Stellen kann der Panzer gefrorenen Wassers daher in jedem Sommer um etwa 23 Millimeter Wassersäule dünner werden als im Jahr zuvor, berichten Sarah Feron und ihr Team von der Universität Groningen im Fachblatt »Nature Communications«.

Die Forscher hatten zuvor Proben von Eis und Schnee an 28 Stellen in der Antarktis gesammelt und dabei einen Bereich von der Nordspitze des Kontinents auf 62 Grad südlicher Breite bis zu den Ellsworth-Bergen am 79. Breitengrad abgedeckt. Dabei wurde deutlich, dass gerade die häufiger vom Menschen besuchten Gegenden stärker vom Schmutz und der Schmelze betroffen sind: Orte nahe an Forschungsstationen oder Stellen, die von Tourismusexpeditionen oft angesteuert werden. Zwischen 2016 und 2020 haben rund 53 000 Touristen die Antarktis besucht, schätzen die Forscher. Pro Tourist wären damit rechnerisch 83 Tonnen Schnee pro Jahr geschmolzen.

Tatsächlich ist weniger die globale Umweltverschmutzung aus Kraftwerksschloten, Autoabgasen oder Feuern die Hauptquelle der Rußpartikel auf dem südlichen Kontinent, weil die Windsysteme um die Antarktis sie kaum je einmal in großen Mengen weit genug südwärts tragen. Lokal anfallender Schmutz bleibt dagegen auf dem Kontinent: So verwehen die Winde etwa Schmutz aus eisfreien Regionen im Nordosten auf die Eisflächen; vor allem aber lagert sich viel Ruß nahe Stationen wie der Palmer Station, der McMurdo Dry Valley Field Stations und der Amundsen-Scott-Südpolstation ab. Gerade die Stationen nahe der Küste bekommen auch viel Besuch von Touristen, was die Umweltbelastung erhöht.

Ruß entsteht dabei vor allem wegen der Abgase von Kreuzfahrtschiffen. Dieses Problem dürfte allerdings vor zehn Jahren noch deutlich schlimmer gewesen sein, so die Autoren der Studie: Damals kamen zwar noch etwas weniger Touristen, die Schiffsdiesel waren aber deutlich weniger umweltfreundlich. Mittlerweile hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) dem Schiffsverkehr strengere Umweltauflagen verordnet. Viele Schiffe nutzen seitdem umweltfreundlicheren Kraftstoff oder sogar Elektroantrieb. Solche Maßnahmen wirken, so die Autoren der Studie – es sei aber angesichts der fortschreitenden Eisschmelze dringend nötig, die Zahl der Besucher und Schiffe in den antarktischen Gewässern auf ein niedriges Niveau zu begrenzen.

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