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Artenvielfalt: Baumrätsel nach 50 Jahren gelöst

Ein Baum wie kein anderer. Aber erst 2021 gelang es, mit Hilfe einer DNA-Analyse das Gewächs zu bestimmen und als eigene Art zu beschreiben. Die Welt ist um einen Tropenbaum reicher.
Zweig und Frucht des Rätselbaums

1973 stieß der Botaniker Robin Foster von der Smithsonian Institution im dichten Regenwald des peruanischen Manu-Nationalparks auf einen ungewöhnlichen Baum. Knapp sieben Meter hoch und mit orangefarbigen Früchten, die an kleine chinesische Papierlampions erinnerten, fiel das Gewächs vor allem dadurch auf, dass es einige Merkmale zeigte, die für unterschiedliche Pflanzenfamilien charakteristisch sind. »Normalerweise kann ich eine Pflanze schon auf den ersten Blick einer Familie zuordnen, aber bei dieser ging das einfach nicht. Sie schien zu keiner der bekannten Pflanzenfamilien zu passen«, berichtete Foster, der Blätter und anderes Material sammelte, um sie zu Hause bestimmen zu können: erfolglos. Das gelang erst fast 50 Jahre später einem Team um William Wayt Thomas vom New York Botanical Garden, das seine Ergebnisse in »Taxon« vorstellte.

Die an der Studie beteiligte Botanikerin Nancy Hensold kochte sogar die Blütenstände der Pflanze, um die damit gewonnenen Pollen zu fotografieren. Nicht einmal die Familie des Baums ließ sich ermitteln und damit die Art klassifizieren. Da sich keine geeignete DNA aus den getrockneten Proben entnehmen ließ, baten Thomas und Co die Biologin Patricia Álvarez-Loayza um Hilfe, da diese im Manu-Nationalpark arbeitet und so frisches Vergleichsmaterial sammeln konnte.

Damit gelang die DNA-Analyse, welche die Wissenschaftler zuerst vor den Kopf stieß, und sie dachten, dass die Probe mit anderen Pflanzen kontaminiert gewesen sein könnte. Denn der Baum sollte aus der Familie der Picramniaceae stammen, die mit weniger als 50 Arten zwar relativ klein, aber aus den Tropen der Neuen Welt relativ bekannt ist. Sie weisen für gewöhnlich trauben- oder rispenförmige Blüten sowie beerenartige Früchte auf, was auf den Rätselbaum jedoch nicht passt. Erst eine Detailstudie der winzigen Blüten erbrachte einige Gemeinsamkeiten.

Nachdem die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt waren, benannte Thomas' Team die Art Aenigmanu alvareziae nach dem Fundort im Manu und der örtlichen Biologin, die den Baum erneut aufgespürt hat. Den örtlichen Indigenen vom Volk der Machiguenga war die Pflanze dagegen schon lange bekannt, nur hatte sie zuvor wohl niemand danach gefragt. Die kleinen Früchte schmecken süß und cremig.

Amazonien ist eine der baumartenreichsten Regionen der Erde. Die gesamte Vielfalt wurde bislang aber noch nicht erfasst. Wegen der umfassenden Abholzung gelten jedoch viele Arten als bedroht. Im Manu-Nationalpark ist Aenigmanu alvareziae bislang gut geschützt. Da der typische Lebensraum des Baums im Überflutungsbereich von Flüssen außerhalb des Parks jedoch stark zurückgeht und die Art nur von wenigen Stellen bekannt ist, empfehlen die Wissenschaftler dennoch die Einstufung in die Kategorie »gefährdet«.

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