Direkt zum Inhalt

Beobachtungstipps: Die Gasriesen gewinnen an Höhe

Jupiter und Saturn verlagern ihre beste Sichtbarkeitsphase im September in die erste Nachthälfte. Und Neptun, der äußerste Planet des Sonnensystems, steht Mitte des Monats in Oppositionsstellung.
Um die Wette leuchten Jupiter, Saturn und der Leuchtturm von Wangerooge

Merkur steht am 14. September in größter östlicher Elongation. Obwohl er mit 26,8 Grad seinen zweitgrößten Sonnenabstand des Jahres erreicht, ergibt sich keine Abendsichtbarkeit: Merkur steht südlich der Ekliptik, die im September abends sehr flach zum Westhorizont verläuft.

Venus steht ebenfalls östlich der Sonne; ihre größte östliche Elongation erreicht sie Ende Oktober. Es gilt Ähnliches wie bei Merkur: Die abends flach stehende Ekliptik und die südliche Position der Venus lassen keine gute Abendsichtbarkeit zu. Dank ihrer Helligkeit von –4,1 mag zur Monatsmitte kann es aber gelingen, die Venus mit einem Fernglas in der Abenddämmerung aufzuspüren. Sie steht eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang etwa fünf Grad über dem Westsüdwesthorizont. Vom 9. auf den 10. September wandert die zunehmende Mondsichel nördlich an Venus vorbei und hilft ein wenig bei der Aufsuche (siehe »Venus und Mond«).

Venus und Mond | Am 9. und 10. September 2021 kommt es zu einer sehenswerten Begegnung der zunehmenden Mondsichel mit dem Abendstern Venus. Leider findet das Schauspiel sehr nah am Horizont statt.

Mars ist unbeobachtbar. Er nähert sich seiner Konjunktionsstellung, die er am 8. Oktober erreichen wird.

Jupiter stand im Vormonat in Opposition und ist im September der dominierende Planet der Nacht. Er erscheint bereits in der Abenddämmerung im Südosten und strahlt fast die gesamte Nacht über mit seinen –2,8 mag unübersehbar im Sternbild Steinbock. Am 1. September kulminiert der Riesenplanet um 00:32 Uhr MESZ in knapp 26 Grad Horizonthöhe und geht um 05:25 Uhr unter. Bis zum Monatsletzten verfrühen sich diese Zeiten auf 22:27 beziehungsweise 03:15 Uhr. Im Teleskop erscheint er unter einem Winkeldurchmesser von rund 48 Bogensekunden, gemessen am Äquator. Dies ist die beste Zeit zur Beobachtung der Planetenatmosphäre und seines Mondsystems: Jupiter erreicht bereits vor Mitternacht ausreichende Horizonthöhen und zahlreiche Phänomene der Jupitermonde bereichern das Beobachtungserlebnis. Der Mond passiert Jupiter vom 17. auf den 18. September südlich (siehe »Erdtrabant zwischen Gasriesen«).

Erdtrabant zwischen Gasriesen | Im Süden ist zur Monatsmitte und in den Tagen danach eine schöne Konstellation des Mondes mit den beiden größten Planeten des Sonnensystems zu bewundern.

Saturn steht, wie im vorigen Herbst, nicht weit weg von Jupiter. Während er ihm im Vorjahr noch folgte, läuft er ihm nun am Himmel voraus: Man findet ihn zwischen 17,5 und 16 Grad westlich, ebenfalls im Sternbild Steinbock. Mit 0,4 mag leuchtet er allerdings weit weniger hell als Jupiter. Saturn passiert den Meridian am 1. September um 23:18 Uhr MESZ, am 30. bereits um 21:19 Uhr. Seine Untergänge verfrühen sich entsprechend im gleichen Zeitraum von 03:48 auf 01:48 Uhr. Im Teleskop erscheint Saturn 18, mit seinen Ringen 42 Bogensekunden groß. Vom 16. auf den 17. September bewegt sich der zunehmende Mond südlich an Saturn vorbei.

Uranus wandert rückläufig durch das Sternbild Widder. Der 5,7 mag helle Planet geht am 1. September um 22:01 Uhr MESZ auf und kulminiert mit der einsetzenden Dämmerung um 05:27 Uhr. Am 30. September erscheint er bereits um 20:10 Uhr auf der Himmelsbühne und erreicht um 03:31 Uhr seinen höchsten Stand. Im Teleskop erscheint Uranus als 3,7 Bogensekunden großes Scheibchen, dessen blassgrüne Farbe sich bei schwacher Vergrößerung von den umliegenden Feldsternen unterscheidet.

Neptun steht am 14. September im Sternbild Wassermann an der Grenze zu den Fischen in Opposition. Der maximal 7,7 mag helle äußerste Planet des Sonnensystems ist fast die gesamte Nacht beobachtbar – allerdings nur mit einem Fernglas oder Teleskop: Bei Vergrößerungen ab 200- bis 300-fach erscheint er als 2,4 Bogensekunden großes, bläuliches Scheibchen. Besitzer größerer Teleskope sollten versuchen, nach einem 13,5 mag hellen Sternchen Ausschau zu halten, das sich zwischen 8 und 17 Bogensekunden neben dem Planeten befindet: Dabei handelt es sich um Triton, den größten Mond des Neptuns. Ein Teleskop mit 250 Millimeter Objektivdurchmesser reicht bei ruhiger Luft aus, um Triton visuell zu sehen. Sie spüren Neptun mit einer guten Sternkarte auf: Er befindet sich in einer an hellen Sternen armen Gegend, etwa vier Grad nordöstlich des 4,2 mag hellen Phi Aquarii (φ Aqr).

© typeshift.io / Spektrum der Wissenschaft
Neptun in Oppositionsstellung am 14. September 2021
Mitte September befindet sich die Erde genau zwischen Neptun und Sonne.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte