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Diabetes mellitus: Lernfähige Insulinpumpe verbessert die Diabetes-Behandlung

Typ-2-Diabetes zu behandeln, ist aufwändig und schränkt Betroffene oft ein. Eine Art künstlicher Bauchspeicheldrüse könnte ihren Alltag künftig erleichtern.
Herkömmliche Insulinpumpe

Eine künstliche Bauchspeicheldrüse könnte künftig die Insulintherapie von Menschen übernehmen, die durch einen Typ-2-Diabetes besonders gefährdet sind. Darauf deutet eine kleine Studie hin, über die ein Forscherteam um Charlotte Boughton von der University of Cambridge im Fachjournal »Nature Medicine« berichtet hat.

Das kleine Gerät, das wie herkömmliche Insulinpumpen außen am Körper getragen wird, misst die Blutzuckerkonzentration von Patientinnen und Patienten und errechnet die entsprechende Insulindosis, die es dann ins Unterhautfettgewebe spritzt. Im Behandlungsverlauf passt sich die Software den individuellen Blutzuckerschwankungen der Nutzerinnen und Nutzer an und verbessert den Therapieerfolg so stetig.

Über einen Zeitraum von 20 Tagen beobachteten Boughton und Kollegen, wie oft die Betroffenen mit Hilfe des neuartigen Gerätes optimale Blutzuckerwerte erreichten. Dazu testeten sie das künstliche Pankreas an 26 Patientinnen und Patienten, bei denen der Diabetes bereits die Nieren geschädigt hatte. Zusätzlich untersuchten sie, wie erfolgreich die Behandlung ihrer Versuchspersonen im Vergleich mit der herkömmlichen Insulintherapie war.

Während die Standardbehandlung den Blutzuckerspiegel im Schnitt in knapp 40 Prozent der Zeit auf ein Optimum senkte, erreichten die Versuchspersonen mit Hilfe der neuartigen Insulinpumpe ähnlich gute Werte in etwa 50 Prozent des beobachteten Zeitraums. Zudem kam der maschinelle Organersatz seiner Aufgabe im Laufe der Beobachtungszeit immer besser nach: Waren bei den Patienten am ersten Tag die Blutwerte für rund 8,5 Stunden optimal, kamen sie am letzten Tag auf mehr als 14 Stunden.

Die künstliche Bauchspeicheldrüse reduzierte auch die Gefahr von Zuständen mit gefährlich niedrigen Glukosekonzentrationen, den Hypoglykämien. Zudem verschaffte sie den Trägerinnen und Trägern mehr Zeit, in der sie sich nicht mehr um die Behandlung ihrer Erkrankung kümmern mussten.

Ursprünglich hatte das Team aus Cambridge das medizinische Gerät als Insulintherapie für Menschen mit einem Typ-1-Diabetes entwickelt. Diese machen nur einen Teil der Diabetes-Patienten aus. In Deutschland sind es rund eine halbe Million der ungefähr acht Millionen Blutzuckerkranken.

Beim häufigeren Typ-2-Diabetes werden die Zellen im Körper unempfindlicher für Insulin. Dadurch können sie den Zucker aus dem Blut nicht mehr aufnehmen. Langfristig schaden die hohen Blutzuckerspiegel neben Herz, Gefäßen, Augen und Nerven auch den Nieren. Versagen die Nieren, benötigen Patientinnen und Patienten ein Spenderorgan oder sind auf ein Blutreinigungsverfahren, die Dialyse, angewiesen. Zusätzlich birgt ein Nierenversagen das Risiko von Blutzuckerentgleisungen, die bis hin zum Koma führen können.

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