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News: El Niño und die Kröte

Was kümmert eine nordamerikanische Kröte das Klima im südlichen Pazifik? Sehr viel, wie eine Studie zeigt. Denn die periodische Erwärmung des dortigen Oberflächenwassers sorgt in ihrer Heimat für trockene Winter. Dadurch sinkt der Wasserspiegel in ihren Laichgewässern und die Embryonen werden anfällig für Pilzinfektionen. So lässt sich ein seit Jahren rätselhaftes Amphibiensterben zumindest in diesem Fall nachvollziehbar erklären.
Immer seltener erklingt das abendliche Froschkonzert. Seit Mitte der achtziger Jahre nimmt die Zahl der Amphibien weltweit selbst in unberührten Gebieten ab, und die Forscher rätseln über die Ursachen. Krankheiten, das Ozonloch, die Klimaerwärmung – Vorschläge gibt es viele, aber endgültig geklärt ist das Problem nicht.

Selten jedoch ist in der Natur nur ein Faktor verantwortlich, meist handelt es sich um ein ganzes Netz von Prozessen, die ineinander greifen. Das scheint auch für den Rückgang der nordamerikanischen Kröte Bufo boreas zu gelten, die nahezu im ganzen Westen des Kontinents in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vorkommt. Bisherige Studien machten verringerte Ozongehalte in der Stratosphäre und die dadurch erhöhte UV-B-Einstrahlung verantwortlich, denn dadurch werden die Embryonen anfälliger für tödliche Pilzinfektionen.

Andrew Blaustein und seine Kollegen von der Oregon State University stellen nun jedoch eine andere Ursache-Wirkungs-Kette vor. Auslöser der Misere ist ihrem Modell zufolge El Niño, die periodische Erwärmung des südlichen Pazifiks. Wie aus anderen Studien bekannt ist, sorgen dieses Phänomen für trockenere Winter im Westen Nordamerikas – dem Verbreitungsgebiet der Kröte. Sie ist nun ganz konkret davon betroffen, denn durch die verringerten Niederschläge sinkt der Wasserspiegel in den Tümpeln und Teichen, die ihr als Kinderstube dienen. Die Tiere legen den Laich immer an derselben Stelle in relativ flachem Wasser ab. Doch ein paar Zentimeter hin oder her spielen hier schon die entscheidende Rolle: Ist das Wasser weniger als 20 Zentimeter tief, reicht der Schutz gegen die UV-B-Strahlung nicht mehr aus. Der Weg ist frei für die weißen Fäden des Pilzes Saprolgenia ferax, die den Laich überziehen und bis zu 80 Prozent der Embryonen töten. Bei mehr als 50 Zentimetern Wassertiefe fallen hingegen nur zwölf Prozent der Infektion zum Opfer.

Alan Pounds vom Monteverde Cloud Forest Preserve and Tropical Science Center in Puntarenas betont das parallele Massensterben von Bufo boreas mit der inzwischen als ausgestorben geltenden Goldkröte (Bufo periglenes) und anderen Amphibienarten in den Hochlagen Mittelamerikas. Auch in diesen Fällen zeigte sich ein Zusammenhang mit extrem trockenen Klimabedingungen, die sich auf entsprechende Verhältnisse im Pazifik zurückführen ließen.

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  • Quellen
Oregon State University
Nature 410: 681–684 (2001)
Nature 410: 639–640 (2001)

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