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Paläontologie: Erster Landgänger bewegte sich wie Schlammspringer

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Unter den wichtigsten Fossilien nehmen die Funde von Ichthyostega noch einmal eine Sonderrolle ein, gelten sie doch als Beispiele für den Übergang von den Wasser- zu den ersten Landlebewesen. Bisher nahmen Paläontologen vielfach an, dass sich diese amphibienartigen Wesen wohl wie heutige Salamander bewegten und auf vier stämmigen Beinen langsam marschierten. Doch diese Vorstellung weisen nun Stephanie Pierce von der University of London und ihre Kollegen vehement zurück: Die 360 Millionen Jahre alten Ichthyostega waren laut ihren Erkenntnissen überhaupt nicht in der Lage zu laufen – sie hievten sich vielmehr wie Schlammspringer in den Mangrovensümpfen Südostasiens vorwärts.

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Ichthyostega | Die 3-D-Rekonstruktion des Skeletts von Ichthyostega zeigt, dass die Tiere ihre Extremitäten nur eingeschränkt bewegen konnten. Eine für den normalen Gang nötige Rotation entlang der Längsachse war ihnen nicht möglich.

Das zumindest legen die ersten 3-D-Computermodelle des Urzeittiers nahe, die die Paläontologen in einer Fleißarbeit entwickelt haben: Dutzende Exemplare von Ichthyostega mussten dazu im Computertomografen durchleuchtet und digital vom umgebenden Gestein getrennt werden. Anschließend fügten die Forscher die einzelnen Knochen der verschiedenen Tiere wie ein Puzzle zusammen, um damit die Beweglichkeit der einzelnen Gliedmaßen testen und mit der lebender Salamander, Krokodile, Schnabeltiere, Robben und Otter vergleichen zu können. Im Gegensatz zu diesen besaß der frühe Landgänger offensichtlich noch sehr starre Hüft- und Schultergelenke, die ihm "normales" Gehen verwehrten. So konnten die Gliedmaßen nicht entlang der Längsachse rotieren, was für den Bewegungsablauf bei vier- und zweibeinigen Landbewohnern unabdingbar ist. Stattdessen gelang es Ichthyostega nur, seine Extremitäten stur nach oben und unten beziehungsweise vor- und zurückzubewegen, ohne dass eine vollständige Rotation möglich war.

Damit glichen die Bewegungen eher jenen von Schlammspringern: Diese semiaquatisch lebenden Fische besiedeln Mangroven in Südostasien und ziehen sich bei Ebbe nicht mit dem ablaufenden Wasser ins Meer zurück, sondern sind dann an Land unterwegs. Dabei nutzen sie ihre vorderen Flossen wie Krücken, mit denen sie den Körper emporstemmen und sich vorwärtsziehen. Ichthyostega bewegte also vor allem seine Vorderläufe synchron, während ihm seitenversetzte Schritte – wie sie heute lebende Wirbeltiere ausführen – unmöglich waren. Die Hinterbeine waren zudem unterentwickelt und reichten kaum zum Boden; zusammen mit dem Schwanz hatten sie also vor allem eine stützende Funktion.

Besonders überrascht schienen die Forscher von ihrer Rekonstruktion allerdings ohnehin nicht zu sein. "Da die ersten Tetrapoden überwiegend noch das Wasser als Lebensraum nutzten, lag diese Art der schlammspringerartigen Bewegung nahe. Sie half womöglich dabei, den Körper bei den ersten tastenden Landausflügen noch zu stabilisieren", sagt Pierce. Damit scheide allerdings Ichthyostega als Verursacher kürzlich entdeckter Fußspuren aus der Zeit des mittleren Devons aus, so die Forscher. Etwas anderes muss sie in den Boden gedrückt haben.

21. KW 2012

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21. KW 2012

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