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Wanderung der Tiere: Fledermaus stellt Flugweltrekord auf

Fledermäuse gehören zu den weniger bekannten Langstreckenmigranten. Dabei fliegen sie Jahr für Jahr enorme Strecken, wie ein Zufallsfund nun bestätigt.
Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)Laden...

Eine männliche Zwergfledermaus ist der neue offiziell bestätigte Weltrekordhalter im Fledermaus-Weitstreckenflug: Auf der Reise von Lettland ins Winterquartier nach Spanien hat das Tier routinemäßig mindestens 2224 Kilometer, wahrscheinlich aber noch weitere Strecken zurückgelegt. Es gehört zu den Rauhautfledermäusen (Pipistrellus nathusii), nur rund zehn Gramm leichte Flattertiere aus der Familie der Glattnasen. Die Tiere sind bekannt für ihre saisonale Migration: Wenn es in Nordosteuropa zu kalt wird, fliegen sie gen Süden, um in wärmeren Gegenden in Baumhöhlen und -rinden oder Häusern zu überwintern. Der neue Rekordhalter war eines der vielen Tiere, die 2015 in einem Park in Lettland beringt wurden. Im Baltikum arbeitet seit Jahren eine Kooperation lettischer und deutscher Fledermausforscher daran, die Populationen zu dokumentieren. Spanische Fledermausforscher haben eines der beringten Tiere nun – leider tot – in der spanischen Provinz Navarra wiedergefunden, mehr als 2000 Kilometer Luftlinie vom Baltikum entfernt.

Der postum gekürte Rekordflieger dürfte wahrscheinlich zweimal im Jahr die übliche Route der Fledermäuse genommen haben, die entlang der gewundenen Küstenlinie der Ostsee führt, schreiben die Forscher um Juan Alcalde im Fachmagazin »Mammalia«. Die tatsächliche Wegstrecke dürfte also noch deutlich weiter als die 2224 Kilometer Luftlinie vom Ort der Beringung in Pape im Südwesten Lettlands und dem Fundort Pitillas in Spanien betragen haben.

Navarra und weitere Provinzen im Nordosten Spaniens sind wichtige Überwinterungsplätze der kleinen Fledermäuse. Von hier aus brechen die Tiere im Frühjahr nach Norden auf, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen. Zwischen Juni und September paaren sich die Tiere, um schließlich wieder gen Süden zu ziehen. Wie andere Tiere und Fledermäuse ist auch Pipistrellus nathusii bedroht, weil sie zu wenig Quartiere in zu aufgeräumten Forstlandschaften finden. Womöglich bedroht zudem das Insektensterben das Nahrungsangebot für die Fledermäuse. Die typische Flughöhe und die übliche Route macht P. nathusii außerdem zu einer durch Windenergieparks stark gefährdeten Arten.



Wir haben im Artikel nachträglich korrigiert um den Beitrag verschiedener Forschergruppen korrekt darzustellen.

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