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Corona-Booster: Impfungen in den gleichen Arm sind effektiver

In welchen Arm soll die Spritze? Egal? Nicht ganz, zeigt jetzt eine Studie aus Deutschland. Bei Impfungen gegen Covid-19 unterschieden sich die Immunreaktionen je nach Arm messbar.
Älterer Herr mit Vollbart bekommt eine Injektion in den Arm. Das Foto ist vermutlich auch nicht echt, aber hier ist immerhin Flüssigkeit in der Spritze. Das ist nicht bei allen Impfbildern so.
Es macht einen messbaren Unterschied, ob die zweite Impfung in denselben Arm kommt wie die erste. Aber macht es auch einen praktischen Unterschied?

Sollte man die Auffrischungsimpfung in den gleichen Arm bekommen wie die erste Impfung? Macht das überhaupt einen Unterschied? Wie sich herausstellt, gibt es auf diese scheinbar nebensächlichen Fragen eindeutige Antworten: Ja und Ja. Zu diesem Schluss kommt jetzt eine Forschungsgruppe um Laura Ziegler von der Universität des Saarlandes anhand einer Untersuchung an 303 zweifach gegen Covid-19 geimpften Personen. Wie die Forscherin in der Fachzeitschrift »eBioMedicine« berichtet, hatten Versuchspersonen nach der Auffrischung in den gleichen Arm mehr spezifische T-Zellen und eine bessere Antikörperantwort. Ursache ist womöglich, dass der Impfstoff in diesem Fall jeweils über die gleichen Lymphknoten abgeleitet wird.

Wenn es um die Effektivität von Boosterimpfungen ging, fragten Öffentlichkeit und Fachleute bisher nach dem optimalen Abstand zwischen den Impfungen oder der richtigen Kombination von Impfstoffen. In welchen Arm der Impfstoff kommt, schien dagegen ziemlich egal. Doch das scheint eben nicht zu stimmen. Für die Studie rekrutierte die Arbeitsgruppe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Uniklinik sowie eines in der Region ansässigen Unternehmens, die im Abstand von sechs Wochen zwei Impfungen mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty erhielten – entweder in den gleichen oder in beide Arme. Etwa zwei bis drei Wochen nach der zweiten Impfung zapfte das Team den Versuchspersonen Blut ab, um Antikörper und Blutzellen zu bestimmen.

Während die Impfungen unabhängig von den ausgewählten Armen eine gute Immunreaktion erzeugten, zeigten sich zwischen den beiden Gruppen auch merkliche Unterschiede. So entwickelten die zweimal in den gleichen Arm geimpften Versuchspersonen mehr zytotoxische T-Zellen, so dass die Arbeitsgruppe die Immunzellen häufiger nachweisen konnte. Bei diesen Personen banden die Antikörper gegen das Spike-Protein außerdem besser an das Virus. Allerdings besaßen sie nicht mehr Antikörper, und auch die Menge von T-Helferzellen war bei beiden Gruppen gleich.

Was der Befund tatsächlich für die Immunität bedeutet, ist noch unklar – möglicherweise haben die festgestellten Unterschiede gar keine messbaren Auswirkungen auf den Schutz vor der Krankheit. Ebenso fraglich ist, ob der Befund auch für andere Impfstoffe und Umstände gilt. Das Forschungsteam verweist auf zwei weitere Studien, die diese Frage an Impfstoffen gegen Tollwut und Haemophilus influenzae Typ b untersuchten, von denen eine die Befunde des Teams um Laura Ziegler zu stützen scheint, die andere aber unklare Ergebnisse lieferte.

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