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2l/Borisov: Interstellarer Besucher sorgt doch noch für eine Überraschung

'Oumuamua hielt die Welt in Atem. Sein Nachfolger Borisov wirkte dagegen bisher ziemlich blass. Aber nun zeigt er doch noch eine ungeahnte Facette.
Komet 2I/Borisov

Für Astronomen war er bisher eher eine Enttäuschung: Der im August 2019 entdeckte Komet 2l/Borisov scheint zwar eindeutig von außerhalb unseres Sonnensystems zu stammen, was ihn zum zweiten bisher bestätigten Exemplar dieser Kategorie macht. Doch anders als sein Vorgänger, der höchst ungewöhnliche 1l/′Oumuamua, schien Borisov sich fast überhaupt nicht von den Gesteinsbrocken unserer kosmischen Heimat abzuheben.

Das legte jedenfalls ein erster Blick mit Teleskopen nahe. Im Dezember 2019 und Januar 2020 haben Astronomen allerdings noch einmal genauer hingesehen und mit dem Submillimeter-Observatorium ALMA und dem Weltraumteleskop Hubble zwei sehr leistungsfähige Instrumente dafür benutzt. Und siehe da: Borisov ist offenbar doch ein wenig anders als seine Verwandten aus unserem Sonnensystem.

Wie zwei Forscherteams in »Nature Astronomy« berichten, scheint der Schweif des Kometen überraschend wenig Wasserdampf zu enthalten. Dafür gibt der Komet ungewöhnlich viel Kohlenmonoxid ab; den Forschern zufolge bis zu dreimal so viel, wie es für bisher bekannte Kometen in Sonnennähe üblich ist.

Das könnte ein Hinweis auf den Entstehungsort des weit gereisten Kometen sein, argumentieren die Fachleute: Dieser müsste sich eher am sehr kalten Rand eines Sternsystems gebildet haben, wo Kohlenmonoxid gefrieren und Teil des Kometenkerns werden konnte. Von dort muss 2l/Borisov dann irgendwie auf eine Bahn gelangt sein, die ihn in unsere Nähe brachte. Ein Schicksal, das dem interstellaren Besucher nicht unbedingt gut getan hat: Ende März ist er unter dem Einfluss unserer Sonne auseinandergebrochen.

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