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Invasive Arten: Winziges Mittel gegen unbesiegbare Ameisen

Eine südamerikanische Ameisenart hat den Spitznamen »Die Verrückte« und gilt als unbesiegbar: Wo sie ist, lebt bald nichts mehr. Ist ein winziger Sporenparasit ihr Kryptonit?
Eine Horde von »tawny crazy ants« überwältigt eine Spinne

Die aus Südamerika stammenden »tawny crazy ant« (Nylanderia fulva) streitet seit einigen Jahrzehnten mit anderen invasiven Ameisen um die Vorherrschaft am Boden der USA und anderswo. Dabei liefern sich die Konkurrenten einen Rüstungswettlauf, bei dem N. fulva häufig vorne liegt: Die Insekten können etwa das Kampfgift der Feuerameisen mit einem eigenen Sekret neutralisieren. Mit anderen, weniger wehrhaften Konkurrenten machen die Eindringlinge ohnehin meist kurzen Prozess, und so richten sie großen ökologischen Schaden an, wenn sie in einen bisher unberührten Lebensraum verschleppt werden.

Nun könnte aber ein Mittel gegen die nur schwer besiegbaren Ameiseneindringlinge gefunden sein: Ein Forscherteam berichtet im Fachmagazin »PNAS« von einem natürlich vorkommenden Krankheitserreger aus der Gruppe der Microsporea, gegen den die Ameisen wehrlos scheinen. Biologen kennen Microsporea als Zellparasiten von Fischen oder Bienen.

Auch die verrückten Ameisen scheinen einen eigenen Microsporea-Erreger zu haben, berichten Edward LeBrun von der University of Texas in Austin und sein Team. Der Erreger befällt dabei den Fettkörper im Hinterleib, bildet dort massenhaft Sporen und bläht die Insekten auf, bis sie sterben. Er kommt offenbar in der südamerikanischen Heimat der Ameisen natürlich vor. Wenn er mit den Insekten verschleppt wird, sorgt er rasch für einen Einbruch des Ameisenvolks: 62 Prozent aller betroffenen Kolonien verschwinden völlig, berichten LeBrun und seine Kolleginnen und Kollegen, die verschiedene Ameisenvölker über acht Jahre hinweg beobachtet haben.

Der Zellparasit scheint auf N. fulva spezialisiert zu sein: Er befällt offenbar weder andere Ameisen noch andere Gliedertiere. Damit würde er sich ideal als biologische Waffe gegen die aggressiven Ameisen eignen. LeBrun und Co testeten dies bereits 2016 in einem Experiment im Estero Llano Grande State Park in Texas. Schon viele Insekten, Skorpione, Schlangen, Eidechsen und Vögel waren in dem von den Ameisen überrannten Ökosystem gestorben. Die Forscher setzten nun mit Microsporea infizierte Tiere aus einer anderen Gegend im Park frei und lockten die gesunde Population mit Hotdogs als Köder. Es dauerte dann ein Jahr, bis die Microsporea auch die gesunde Population infiziert hatten – und nach zwei Jahren brach diese völlig zusammen. Heute ist der Park wieder von seiner ursprünglichen Insektenpopulation besiedelt. Das Team um LeBrun arbeitet nun daran, die Ameiseninvasoren in anderen Infektionsherden noch effizienter biologisch zu bekämpfen.

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