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Lernen: Jobwechsel hält Bienenhirn jung

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Wenn alternde Bienen ihren Aufgabenbereich im Stock wechseln, können sie ihre Lernfähigkeit und ihr kognitives Leistungsvermögen intakt halten oder sogar verbessern. Nun wollen die Forscher um Ricarda Scheiner von der Technischen Universität Berlin die Insekten als Modell nutzen, um generelle Alterungsprozesse im Hirn besser zu verstehen und den dabei stattfindenden geistigen Abbau bestenfalls zu verhindern.

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Versuchsbienen | Ein künstlich zusammengestellter Bienenstaat bot Wissenschaftlern Einblicke in die Organisation und Arbeitsteilung der Insekten. Damit wollten die Forscher herausfinden, was das Denkvermögen der Tiere beeinflusst.
Ähnlich wie bei Menschen lässt offensichtlich auch bei Bienen die Leistung des Denkapparats im Lauf des Lebens nach. Dies trifft dann vor allem die Arbeiterinnen, die Nektar und Pollen sammeln, was viel Energie kostet. Wie die Wissenschaftler nun in ihren Versuchen feststellten, schnitten diese Tiere kognitiv umso schlechter ab, je länger sie sich bereits der Nahrungsbeschaffung widmeten: In den Tests benötigten sie mehr Zeit, bis sie gelernt hatten, auf ein bestimmtes Signal hin den Rüssel auszufahren und damit ihre Belohnung zu bekommen. Ihre gleichaltrigen Artgenossinnen, die im Stock verblieben waren, um die Brut zu umsorgen, erfassten die Aufgabenstellung dagegen schneller.

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Biene im Test | Hier wird eine Arbeiterin trainiert, dass sie auf einen bestimmten Reiz hin den Rüssel ausfährt. Als Belohnung winkt ihr dann ein Tropfen Zuckerlösung.
Anschließend zwangen die Biologen die Sammlerinnen, sich wieder im Bau um den Nachwuchs zu kümmern, da sie die eigentlichen Ammen aus der Kolonie entfernten. Einige Arbeiterinnen mussten also wieder "umschulen" – zum Wohle ihrer geistigen Kapazitäten: Ihre Lernfähigkeit verbesserte sich deutlich durch diese Maßnahme. Mehr noch als Alterungsprozesse im Gehirn scheinen also das soziale Umfeld beziehungsweise einseitige Tätigkeiten das Denkvermögen negativ zu beeinflussen. Wechselt jedoch der Aufgabenbereich, so erhöht sich auch wieder die Plastizität des Gehirns – zumindest bei staatenbildenden Insekten. Die Wissenschaftler wollten sich allerdings nicht darauf festlegen lassen, inwieweit sich diese Erkenntnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. (dl)

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  • Quellen
Annual Main Meeting of the Society for Experimental Biology, Glasgow, 28.6.-1.7.2009.

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